Mehr Auswahl beim künftigen G9-Abitur

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – Schon jetzt gibt es G9-Schüler an den Gymnasien, denn das neue Gymnasium wächst von unten auf: Im September 2024 werden die heutigen Siebtklässler in die G9-Oberstufe einrücken, im Frühjahr 2026 steht das erste G9-Abitur bevor. Nicht alles, aber manches wird für sie anders als beim jetzigen Abitur der G8-Schüler, wie Kultusminister Michael Piazolo (FW) gestern erläuterte.

. Es bleibt bei fünf Abiturprüfungsfächern, davon drei schriftlich und zwei mündlich. Frühere Überlegungen, wie im alten G9 in nur vier Fächern zu prüfen, sind vom Tisch.

. Kernkompetenzfächer bleiben Deutsch und Mathematik, sie sind aber etwas abgewertet. Im Unterschied zu früher reicht in einem dieser Fächer auch eine mündliche Prüfung. In bestimmten Belegungskombinationen kann Mathe oder Deutsch in der Prüfung sogar ganz wegfallen: Mathematik, wenn stattdessen zwei Naturwissenschaften (eine als Leistungsfach) schriftlich geprüft werden; Deutsch, wenn stattdessen zwei Fremdsprachen (eine als Leistungsfach) gewählt werden. Walter Baier, Chef der Bayerischen Direktorenvereinigung, beruhigte aber die Verfechter der reinen Lehre: Jeder Schüler müsse Deutsch und Mathe in der ganzen zweijährigen Oberstufe belegen und ins Abiturergebnis einbringen.

. Neu ist das Leistungsfach. Damit werde die individuelle Profilbildung ermöglicht, sagte der Kultusminister. Es ist in Fremdsprachen, Naturwissenschaften und Informatik fünfstündig, sonst vierstündig. Möglich sind hier auch Musik, Kunst oder Sport. Das Leistungsfach muss Abiturprüfungsfach sein. Gretchenfrage wird künftig sein, ob alle Gymnasien „genug Leistungsfächer einrichten“ könne, auch die kleinen Schulen, wie der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, kritisch anmerkte. „Das wird nicht leicht mit der Umsetzung“, sagte Piazolo. „Aber das ist das Ziel.“

. Mehr Wert als früher wird auf die Politische Bildung gelegt, wobei das Angebot aber gegenüber früheren – vielleicht überzogenen – Erwartungen zurückbleibt. Ein Fach ist Pflichtprüfungsfach – das muss aber nicht Geschichte oder Sozialkunde (neuer Name: Politik und Gesellschaft) sein, auch die Wahl von Geographie oder Wirtschaft und Recht sowie Religion oder Ethik ist möglich. Immerhin sei es gelungen, die frühere Koppelung von Geschichte und Sozialkunde (beides im G8 zum Teil nur einstündig) aufzubrechen, lobte die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung, Susanne Arndt.

Piazolo betonte die Unterschiede zum bisherigen G8, wo es weniger Wahlmöglichkeiten gibt. Im G8 müssen Deutsch und Mathe schriftliche Abiturprüfungsfächer sein. Es gibt keine Möglichkeit, in zwei gesellschaftswissenschaftlichen Fächern oder in zwei Naturwissenschaften geprüft zu werden. Von der Opposition im Landtag gab es kaum Kritik – selbst die Grünen kritisierten lediglich, dass der Minister seine Pressekonferenz gestern nicht mit einem Live-Stream übertragen ließ.

Der Deutsche Lehrerverband allerdings wies daraufhin, dass laut der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur gymnasialen Oberstufe von 2018 noch mehr Lockerungen möglich gewesen wären – demnach dürfe ein Schüler auch so auswählen, dass er weder in Deutsch noch in Mathe ein schriftliches Abitur macht. Andererseits, so Lehrerverbands-Chef Heinz-Peter Meidinger, minderen solche Ausweichmöglichkeiten die Chancen, jemals eine Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen in Deutschland zu erzielen.

Es wären noch mehr Lockerungen möglich gewesen

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