37-Jähriger nach Messerangriff in U-Haft

von Redaktion

VON FREDERICK MERSI

München/Obergünzburg – Nach dem tödlichen Messerangriff in einem Linienbus bei Obergünzburg (Landkreis Ostallgäu) muss der Tatverdächtige wegen Mordes in Untersuchungshaft. Das ordnete ein Haftrichter beim Amtsgericht Kempten nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag an.

Der Mann hatte am Montag in dem Bus mit einem Küchenmesser unvermittelt auf seine Ehefrau eingestochen – vor den Augen mehrerer Fahrgäste, darunter zehn Schüler. Die Frau starb wenig später an ihren Verletzungen. Sie hinterlässt vier Kinder, die zunächst vom Jugendamt in Obhut genommen wurden.

Die Polizei ermittelt schon seit November 2019 wegen häuslicher Gewalt gegen den Mann mit afghanischer Staatsangehörigkeit. Vorbestraft ist er bisher aber nicht. Weitere Angaben wollen die Ermittler unter Verweis auf die laufenden Verfahren nicht machen. Auch die Frau war Afghanin.

In dem Bus saßen Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 18 Jahren, die den Angriff mit ansehen mussten. Experten gehen davon aus, dass die Tat sie und ihre Familien noch eine Zeit lang beschäftigen wird. Nach solchen Erlebnissen bräuchten Kinder Sicherheit und Orientierung, sagt der Psychologe Simon Finkeldei von der Kinderkrisenintervention der Aetas-Kinderstiftung in München. „Alles, was Stress reduziert, ist gut.“ Für Eltern und Bezugspersonen sei wichtig, den Kindern zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Außerdem sei es wichtig, Alltagsstrukturen beizubehalten. „Man sollte die Kinder jetzt zum Beispiel nicht für mehrere Wochen mit dem Auto zur Schule fahren, sondern auf dem Schulweg begleiten.“

Wie Kinder und Jugendliche auf das Erlebte reagieren, sei unterschiedlich, betont der Experte. Manche bräuchten Gespräche, andere wollten eher Ablenkung oder Bewegung. „Die zwingen wir nicht dazu, über das Erlebte zu reden“, sagt Finkeldei. An Schulen in Bayern seien Kriseninterventionsteams für solche Fälle vorgeschrieben, erklärt er.

Nicht jedes Kind brauche nach einem traumatischen Erlebnis aber eine Therapie, sagt Finkeldei. „Wenn ich merke, dass Kopf und Herz im weiteren Verlauf nicht zur Ruhe kommen, lohnt es sich aber, professionelle Hilfe aufzusuchen.“ Akute Reaktionen reichten von Kopfschmerzen über Bauchweh bis zu Zurückgezogenheit. Halte dieser Zustand über mehrere Wochen an, bestehe die Gefahr einer posttraumatischen Belastungsstörung. Professionelle Hilfe sei in diesen Fällen wichtig.

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