München – Bayerns Landwirtschaftsschüler müssen sich künftig auf längere Wege für ihre Ausbildung einstellen. Denn im Zuge einer Neustrukturierung der Landwirtschaftsverwaltung schließt die Staatsregierung in den kommenden zwei Jahren sieben staatliche Schulstandorte mit Abteilung Landwirtschaft in Bayern. In Oberbayern sind Fürstenfeldbruck, Weilheim und Töging betroffen.
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) begründet den Schritt mit den sinkenden Schülerzahlen in den vergangenen Jahren. Aktuell besuchen 400 junge Menschen in Bayern die Landwirtschaftsschulen – vor 15 Jahren waren es noch über 500. Die Zahlen schwanken zwar, aber der Trend zeigt nach unten. „Immer mehr junge Landwirte gehen sofort zum Studium an die Universität“, sagte Kaniber nach der gestrigen Kabinettssitzung. Viele andere wollen ihren Betrieb nur im Nebenerwerb führen, dafür gibt es in Bayern ein eigenes Angebot, das sogenannte Bildungsprogramm Landwirt (BiLa). An einigen Landwirtschaftsschulen wurde es in den vergangenen Semestern dagegen immer schwieriger, genügend Bewerber für die neuen Jahrgänge zu finden.
Zum Beispiel in Fürstenfeldbruck. Die Schule befindet sich im modernen, erst 2012 eingeweihten Grünen Zentrum Puch. Dort konnte der Lehrgang im vergangenen Herbst nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Ministeriums starten, weil die Minimalzahl von 16 Teilnehmern nicht zustande kam. Für die Fürstenfeldbrucker Schulleiterin Marianne Heidner, die vorab nicht informiert wurde, sind die Pläne aus dem Ministerium trotz dieser Entwicklung eine Hiobsbotschaft. „Bei unseren Schülern sind über die Jahre so tolle Betriebe entstanden.“ In der Zeit an der Schule fänden viele Schüler den idealen Weg für ihren Betrieb der Zukunft – egal, ob mit Kuhstall oder mit Melonenfeld. Bis zuletzt hoffte Heidner, den Schulbetrieb zumindest im Wechsel mit der Augsburger Landwirtschaftsschule aufrechterhalten zu können. Auch um den Kontakt zu den Betrieben in der Region nicht zu verlieren.
Doch nun sieht der Plan der Staatsregierung vor, noch ab 2020 in Fürstenfeldbruck, Töging, Weilheim, Landshut und Uffenheim keinen klassischen Landwirtschaftszweig mehr anzubieten. Ab 2022 trifft es die Standorte Augsburg, Schwandorf/Nabburg und Mindelheim. Landwirtschaftsschüler müssen sich künftig auf die umliegenden Schulen, insgesamt dann noch 20 in Bayern, verteilen. In Oberbayern bleiben die Standorte Erding, Holzkirchen, Pfaffenhofen, Rosenheim und Traunstein übrig. Die Öko-Fachschule in Weilheim soll bestehen bleiben. Die Hauswirtschafts- oder Technikerschulen und die BiLa-Kurse an den verschiedenen Standorten werden ebenfalls nicht angetastet.
Auch die Landwirtschaftsverwaltung insgesamt soll umgebaut werden. Ziel sei es, effizientere Strukturen zu schaffen, sagte Kaniber. Dafür werden künftig verschiedene Landwirtschaftsämter zusammengeführt. In Oberbayern etwa sollen Ebersberg und Erding sowie Ingolstadt und Pfaffenhofen eine Einheit bilden. Dadurch sollen Behördenleiterstellen eingespart und stattdessen zusätzliche Beraterstellen geschaffen werden, um den Landwirten vor Ort besser zur Seite zu stehen. Auch die Fachzentren sollen aufgelöst werden.
Kritik an der Reform kommt von der Landtags-Opposition. Ruth Müller von der SPD ärgert sich besonders über die Schließung der Landwirtschaftsschulen. „Wer jungen Menschen den Beruf des Landwirts nahebringen möchte, darf nicht die Axt an die flächendeckenden Landwirtschaftsschulen legen.“ Das Konzept sei zum Scheitern verurteilt. Die Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl vermisst ein klares Bekenntnis zur ökologischen Landwirtschaft. Es sei „zukunftsblind“, dass weiterhin nur an zwei von 20 Landwirtschaftsschulen Ökolandbau gelehrt werde.
Auch der Bauernverband wurde gestern von den Neuerungen überrascht. Entscheidend sei, dass für die Landwirte weiter eine umfassende Betreuung gewährleistet bleibe, hieß es beim Verband. Das geplante Zusatzangebot an Beratung könne hilfreich sein, wenn dafür ausreichend Kapazitäten vorgesehen werden.