Der Hohe Göll unweit von Berchtesgaden ist mit 2522 Metern der höchste Gipfel im Göllmassiv der Berchtesgadener Alpen. Über seinen Gipfel verläuft die Grenze zum österreichischen Tennengau in Salzburg. Weil der Höhe Göll ein Grenzberg ist, gibt es recht frühe Quellen. Schon im 12. Jahrhundert wird der Berg als „Gelichen“ erwähnt oder in einer Urkunde des Kaisers Barbarossa von 1156 als „Gelich“. Auf der Apian-Karte von 1566 steht der Berg als „Geling“, es folgen Nennungen um 1620 als „Gölch“, 1699 „Göll“, 1706 „Auf den Hochen Göll“ und „Bis an den Gölch“ sowie 1795 „Den Höhen Göll“.
Wo der Name herkommt, das ist so ganz eindeutig nicht. Der Münchner Namenforscher Wolf-Armin von Reitzenstein spricht von einem „recht interessanten Fall“, da es zwei Erklärungen gebe – eine romanisch-deutsche und eine slawische.
Reitzenstein präferiert die romanisch-deutsche Varian-te, wobei er einräumt, dass diese Ableitung einige kleinere „lautliche Schwierigkeiten hat“. Seine Erklärung geht auf das lateinische „calix“ (Akkusativ: calicem) – der Kelch – zurück. Der Berg sei mit einem umgedrehten Kelch verglichen worden, sagt Reitzenstein. Aus dem „a“ in calix sei über die Jahrhunderte erst ein „e“, wie zum Beispiel in „Gelichen“, und später ein „ö“ geworden. Beim Anlaut wiederum habe man eine romanische Form. Aus dem „C“ sei ein „G“ geworden.
Die slawische Herleitung will Reitzenstein keineswegs verschweigen – zumal sie von Ingo Reifenstein kommt, einem emeritierten Professor für Sprachwissenschaften an der Universität Salzburg. Reifenstein gehe vom slawischen „Gal“ aus, was kahl bedeute. Der Berg sei also eine kahle Gegend, ist die Deutung aus Salzburg. „Aber das gefällt mir nicht“, sagt Reitzenstein. Vom Sinn und der Geschichte her ziehe er die romanisch-deutsche Ableitung vor, zumal man auf Salzburger Seite romanische Orte wie Kuchl oder Golling gefunden habe.
So bleibt der Hohe Göll letztlich auch in der Namenforschung ein Grenzberg. WOLFGANG HAUSKRECHT