Marx: Corona spaltet die Gesellschaft

von Redaktion

Münchner Kardinal warnt vor zunehmender sozialer Spannung

München – Kardinal Reinhard Marx warnt vor einer Verschärfung sozialer Spannungen in der Gesellschaft durch die Corona-Krise. „Die Ungleichheiten werden nicht kleiner werden, sie werden größer werden – sie waren vorher schon groß“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Donnerstagabend bei der ersten öffentlichen Veranstaltung in der Katholischen Akademie in München seit Monaten.

Ihm bereite Sorgen, dass Chancen zunehmend ungleich verteilt seien. „Im Bildungsbereich ist das ja offensichtlich“, betonte der Erzbischof: „Die Unterschiede werden größer zwischen den Kindern, die zu Hause Hilfe haben, und sei es nur, was die technischen Dinge angeht, und denen, bei denen das so nicht der Fall ist, durch die sozialen Verhältnisse oder die Bildungssituation.“

„Ich bin froh, dass Populisten aktuell nicht so en vogue sind, weil jetzt Politiker gefragt sind, die die Probleme tatsächlich auch lösen“, betonte Marx – warnte jedoch zugleich: „Aber nach der Krise, wenn die Ungleichheit sichtbar wird, wenn deutlich wird, dass manche ihren Job für immer verloren haben, ihre Zukunftsidee, dass ihre Lebenspläne endgültig hinüber sind – dann wird die Spannung vielleicht größer.“ Marx stellte vor 60 Gästen sein neues Buch „Freiheit“ vor und verteidigte den Lockdown in der Kirche, auch wenn er schmerzhaft gewesen sei: Schließlich sei es darum gegangen, jene zu schützen, die gefährdet seien. lby/cm

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