Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Hans Huber, 79, lebt in Taglaching im Landkreis Ebersberg. Er ist Pensionär, hat als Lehrer und Schulleiter gearbeitet und kennt sich als Heimatforscher gut in seinem Dorf aus.
Herr Huber, wie lebt es sich denn so in Taglaching?
Gut. Und zwar seit 50 Jahren: Im Juli 1970 bin ich als junger Lehrer zusammen mit meiner Frau hergekommen, weil ich in Grafing eine Lehrerstelle angetreten habe.
Dass Sie hier gelandet sind, war also Zufall?
Ja, das war reiner Zufall. Aber ich würde nirgendwo anders lieber wohnen, keine einzige Minute bereue ich, dass ich hier in das kleine Dorf gekommen bin.
Was gefällt Ihnen?
Mir gefällt es, dass man nicht weit auseinander ist, dass man Nachbarn hat, mit denen man sich gut versteht; dass man, wenn man nach Hause kommt, so ein Da-kenn-ich-mich-aus-Gefühl hat. Je näher man dem Wohnort kommt, desto vertrauter werden einem die Dinge, man kennt da fast jeden Baum, jedes Haus, jeden Strauch. Man fühlt sich wohl, geborgen und heimisch. Dieses Gefühl möchte ich nicht missen.
Hat der Ort an sich auch eine Besonderheit?
Wir haben eine sehr, sehr alte Kirche. Das ist eines der ältesten Bauwerke im Landkreis Ebersberg. Es ist ein romanischer Tuffsteinbau, datiert auf 1230. Steht da, unverrückt an ein und demselben Platz, seit so vielen Jahren. Und er ist auch relativ gut erhalten: Man sieht genau die Steine, die aufeinandergeschichtet sind. Dass solch ein Bauwerk eine solch lange Zeit überdauert, das ist schon bemerkenswert. Daneben steht eine Dorflinde, die ist halb so alt wie die Kirche: 300 bis 400 Jahre. Ein wunderschöner Baum.
Wissen Sie mehr über die Geschichte des Ortes?
Nun, zur 1200-Jahr-Feier vor 32 Jahren hab ich ein Bücherl über den Ort geschrieben. Taglaching war immer ein Bauerndorf. Von der Größe her ist es praktisch 1000 Jahre lang gleich geblieben, doch die bäuerliche Struktur hat sich verändert. Vor 30 Jahren hatten wir noch elf Bauern, heute ist es nur noch ein einziger. Und: Den Ort „Taglaching“ gibt es nur ein einziges Mal auf der ganzen Welt.
Taglaching ist also einzigartig!
Ja. Wenn jemand einen Brief an „Huber, Taglaching“ schreibt, kann der nur bei mir ankommen.
Interview: Nina Praun