München – Sie haben überlegt, diskutiert und auch mal gestritten. Seit Mai des vergangenen Jahres tagte regelmäßig die von Agrarministern Michaela Kaniber (CSU) eingesetzte Junglandwirtekommission mit 37 Nachwuchs-Bauern und -Bäuerinnen aus ganz Bayern. Egal ob Öko-Betrieb oder konventionell, ob Großbauernhof oder Nebenerwerb, sie alle sollten gemeinsam eine Vision entwickeln, wie sie sich die Landwirtschaft in Bayern in 20 Jahren vorstellen – und wo die Staatsregierung politisch nachjustieren sollte.
Caroline Brielmair war Teil dieser Runde. Die 35-Jährige bewirtschaftet in Grucking im Kreis Erding einen Ackerbaubetrieb mit Fressererzeugung, oder wie sie es nennt: „Wir sind der Kindergarten der Rindermast.“ Sie hat beschlossen, sich in der Kommission einzubringen, um die Landwirtschaft so aufzustellen, dass auch ihre Kinder noch Lust darauf haben, den seit über 600 Jahren bestehenden Hof weiterzuführen.
Aus der Debatte unter den Junglandwirten ist ein 22 Seiten umfassender Bericht entstanden, der konkrete Forderungen an die Politik enthält. So wünschen sich die Jungbauern etwa eine Herkunfts-Kennzeichnung für alle Lebensmittel, egal, ob heimisch oder importiert. Eine Begrenzung von Schlachttiertransporten auf eine Entfernung von maximal 400 Kilometern. Ein Bonus-System für den Kauf regionaler Produkte, ähnlich wie beim Payback-Programm. Und ein Verbot von preisgebundener Werbung für Lebensmittel. Auch die Förderpolitik treibt die Junglandwirte um. „Wir würden uns wünschen, dass die staatliche Förderung am Mehrwert für die Tiere bemessen wird“, sagt Bio-Bauer Stefan Froschmeir aus Ingolstadt. Statt wie bisher vor allem Stallneubauten zu fördern, sollten auch kleinere Maßnahmen in bestehenden Ställen – etwa für mehr Auslauf oder mehr Platz – unterstützt werden. „Unser Motto ist: Geld für die Tiere, statt für Beton“, sagt Froschmeir, der selbst Legehennen hält. Dabei verzichten die Junglandwirte auf den Reflex, mehr Geld vom Staat zu fordern. Es solle nur gezielter verteilt werden.
Auf keinen grünen Zweig kam die Gruppe dagegen bei der Frage, wie die EU-Agrarförderung (GAP) künftig gestaltet werden soll. „Wir waren uns nur einig, dass der aktuelle Weg mit den flächengebundenen Direktzahlungen nicht praktikabel ist“, sagt Caroline Brielmair. Deshalb der Wunsch, die GAP-Reform auf die übernächste Förderperiode (ab dem Jahr 2028) zu verschieben – und bis dahin neu zu konzipieren.
In diesem Punkt macht die Agrarministerin den Junglandwirten aus der von ihr eingesetzten Kommission wenig Hoffnung. Aber andere Vorschläge aus dem gemeinsamen Papier will Kaniber prüfen und teilweise auch umsetzen. So begrüßt sie etwa die Einrichtung eines Netzes von Agrarbetrieben für Praxisexperimente oder den Vorschlag zur Entwicklung einer Beratungs-App für Landwirte. Auch die Ausweitung der Tierwohl-Förderung hält sie für eine gute Idee.
In einem Punkt hat sie den Ideen der Jungbauern bereits vorgegriffen – indem das Kabinett die Landwirtschaftsschulen in Bayern neu geordnet hat. Tatsächlich unterstützen die Jungbauern die Schließung einzelner Schulstandorte, obwohl es daran etwa in Töging laute Kritik aus Bauernschaft und Politik gibt (siehe Kasten). „Wir begrüßen diesen Schritt“, sagt Caroline Brielmair. „Aber jetzt muss auch dafür gesorgt werden, dass das Unterrichtsniveau an den verbleibenden Schulen weiter angehoben wird.“