München – Wer im Münchner S-Bahn-Netz unterwegs ist, der merkt schnell: Die Bahn baut. Bei Laim und am Hauptbahnhof kann man die ersten großen Bauarbeiten für die 2. Stammstrecke besichtigen. Und mit dem zweiten Ferienwochenende (ab 31. Juli) beginnt wieder eine ganze Serie von Stammstreckensperrungen, um Schienen und Weichen auszutauschen.
Doch gibt es auch abseits des Bahnknotens München etliche Schwachstellen – und genau dafür hat der Bund nun ein Sonderprogramm aufgelegt. „Wir haben bei der Bahn gelernt, dass auch Kleinstmaßnahmen enorm wichtig sind“, sagte DB-Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla bei einem Pressetermin im bayerischen Verkehrsministerium. Pofallas Leute haben mit den Experten aus dem Haus von Ministerin Kerstin Schreyer (CSU) vereinbart, wo 436 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren in Bayern verbaut werden sollen. Es sei Geld gezielt für Bahnstrecken abseits von München, wie Schreyer sagte. „Es ist ganz wichtig, dass man in Bayern überall gut leben kann“, dafür seien gute Verkehrsverbindungen wichtig.
Im Einzelnen werde das Geld für den Neubau von Bahnstationen etwa in Lindau (Festlandsbahnhof), Regensburg (Walhallastraße) oder Würzburg (Heidingsfeld-Ost) ausgegeben. Auch Strecken sollen ertüchtigt werden, etwa die Rottalbahn Mühldorf–Passau. Außerdem dürfen auch bestimmte Bauarbeiten zur Barrierefreiheit über diesen Etat finanziert werden, so am Bahnhof der S8 Seefeld–Hechendorf. Ohne das Programm, hieß es, wäre es lange nichts geworden mit dem Bahnhof-Ausbau.
Zwei geplante Modernisierungen betreffen die Oberlandbahn:
. Auf der Strecke Bad Tölz–Lenggries soll durch technische Neuerungen („Erhöhung der Verfügbarkeit der Leitsteuerungstechnik“) der Betriebsablauf am Bahnhof Schaftlach beschleunigt werden. 1,8 Millionen Euro kostet das. Im Moment kann nur ein dreiteiliger Zug einfahren und in Züge Richtung Lenggries und Tegernsee aufgeteilt werden. Sinnvoller wäre ein Vierteiler. Dafür ist das Gleis 1 jedoch zu kurz, wie BOB-Chef Fabian Amini erläuterte. Auch ein Signal fehle.
. Zwischen Holzkirchen und Schliersee gibt es Modernisierungen „zur Abwicklung eines stabilen Halbstundentakts“. Fünf Millionen Euro sind dafür vorgesehen.
Die großen Verbesserungen, auf die die vielen Pendler warten, sind das noch nicht: Sowohl die Elektrifizierung des BOB-Netzes (Vorplanung läuft) als auch der Bau eines Überholgleises in Fischbachau lassen noch auf sich warten, wie Fachleute gegenüber unserer Zeitung einräumten.
Hoffnung macht das Programm auch den Wasserburgern. Denn mit dem Geld aus dem Programm soll sowohl die restliche Planung und Bau einer Oberleitung auf der 18 Kilometer langen Strecke des Filzenexpresses Ebersberg–Wasserburg finanziert werden. Das Projekt wurde schon oft versprochen und rückt nun der Realisierung näher. Die Bahn würde demnach auch beim bereits verkündeten Zeitplan bleiben: Projektabschluss 2025, Inbetriebnahme Ende 2026. Angedacht ist eine Regional-S-Bahn, sodass man ohne Umsteigen von Wasserburg bis München fahren könnte.
Aufgelistet sind diese und weitere Projekte in der schlichten Anlage „87“ zur großen bundesweiten Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung, LuFV III genannt. Über dieses Programm werden in den nächsten zehn Jahren 86 Milliarden Euro für Aus- und Neubau der Bahn bundesweit ausgeschüttet. Das ist gegenüber dem Vorgängerprogramm (LuFV II) eine Steigerung um 54 Prozent, wie Pofalla sagte. Bayern erhält davon allein in diesem Jahr 1,7 Milliarden.