München – Die Erzdiözese München und Freising will den Vorwürfen rund um das Traunsteiner Studienseminar Sankt Michael nachgehen. Im September sei geplant, ehemalige Schüler und Betroffene zu einem Gesprächsforum in Traunstein einzuladen, das von einem renommierten Fachmann moderiert werden solle, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Ein Sprecher des Erzbistums bestätigte diese Ankündigung von Generalvikar Christoph Klingan und der Amtschefin des Ordinariats, Stephanie Herrmann.
Wie berichtet, gibt es Vorwürfe gegen den 2018 verstorbenen Münchner Weihbischof Engelbert Siebler, Schüler des kirchlichen Internats misshandelt zu haben. Ein Ex-Schüler werfe ihm auch sexuellen Missbrauch vor, hieß es damals. Siebler war von 1976 bis 1985 Direktor der Einrichtung. In dieser Zeit sollen die Taten geschehen sein. Träger des Traunsteiner Internats ist die Erzdiözese. Der derzeitige Direktor in Sankt Michael, Wolfgang Dinglreiter, bezeichnete die von früheren Seminaristen berichteten Vorkommnisse als erschütternd. „Für mich und alle heute im Studienseminar Tätigen hat das Bemühen um eine wertschätzende und die Entwicklung stärkende Pädagogik Priorität.“ Es gelte, sich nun auch den dunklen Kapiteln des Hauses zu stellen.
Darüber hinaus will das Erzbistum im Herbst eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch einrichten. Diese soll sich auch um Vorgänge in kirchlichen Heimen kümmern. In den vergangenen Monaten hatte es mehrere Berichte über Missbrauchsvorwürfe gegeben, unter anderem über das einstige katholische Piusheim in Baiern (Kreis Ebersberg). kna/cm