Maisach – Während die Landwirtschaftsministerin im Getreidefeld vor der Kamera steht und über die anstehende Ernte sinniert, stapft Junglandwirt Martin Staffler durch seinen angrenzenden Acker bei Maisach und rupft das Unkraut zwischen den Zuckerrübenpflanzen aus dem Boden. Er kann es nicht lassen. Bei der Feldhygiene nimmt es der 28-jährige Bio-Landwirt genau. „Wenn man da nicht dahinter ist, bereut man das in den nächsten Jahren.“
Staffler ist einer von zwei Gastgebern bei der diesjährigen Erntefahrt im Landkreis Fürstenfeldbruck, bei der Bauernverband und Landwirtschaftsministerium über die Ertragsaussichten für Bayerns Bauern informieren. Nach zwei Dürrejahren in Folge hoffen die Landwirte endlich wieder auf ein ertragreiches Jahr. Dabei hat der Jahresanfang zunächst nichts Gutes versprochen. Vor allem im März fiel erneut viel zu wenig Regen. Erst im Juni kam der lang ersehnte Niederschlag, gerade noch rechtzeitig, um viele Ackerpflanzen vor dem Verdursten zu retten. Auf den Feldern von Martin Staffler, der neben Rüben und Getreide auch auf den Soja-Anbau setzt, kam die Wasserdusche besonders geballt. Der Deutsche Wetterdienst verzeichnete für Maisach Mitte Juni sogar einen Regen-Rekord: 93 Liter pro Quadratmeter in 48 Stunden – so viel wie nirgendwo anders in Deutschland. „Das war dann doch zu viel auf einmal.“ So viel, dass auf dem Acker mitunter der Boden weggespült wurde.
Insgesamt ist Staffler aber zufrieden mit dem, was da aktuell auf seinen Feldern steht. Er hofft auf durchschnittliche bis gute Erträge. Und auch der Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbands, Hermann Greif, rechnet insgesamt mit einer passablen Ernte. „Es wird kein Rekordjahr, dafür sieht es in den Regionen zu unterschiedlich aus. Aber einige Betriebe werden auch eine überdurchschnittliche Ernte einfahren können.“ Sorgenkinder sind wie so oft in den vergangenen Jahren die Landwirte in Franken. Sie mussten wieder einmal mit besonders wenig Regen auskommen, was vor allem bei der Wintergerste zu größeren Ausfällen geführt hat. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) kündigte für die Trockenheits-geplagten Franken einen neuen Forschungsstandort an. Dort soll die Suche nach standortgerechten Ackerpflanzen für die Zukunft intensiviert werden.
Bauernpräsident Walter Heidl nahm den Ernteausblick auch zum Anlass, die Rolle der Landwirte in der Corona-Krise zu loben. „Unser aller Anliegen war die sichere Versorgung. Und das ist uns geglückt. Außer Klopapier und Hefe ist in Krisenzeiten nichts knapp geworden.“ Diese Erkenntnis verknüpft er mit dem Appell zu noch regionalerer Versorgung.
Diesen Appell griff auch Agrarministerin Kaniber auf und forderte die Bevölkerung auf, beim Einkauf auf Regionalität und den nächsten Hofladen zu achten. Einen dieser Hofläden betreibt der zweite Gastgeber der Erntefahrt, Familie Dinkel aus Maisach. Schon seit Jahrzehnten treibt Thomas Dinkel die Vision um, die eigenen Nudeln im Hofladen nicht nur aus den Eiern der Legehennen im Stall, sondern auch aus dem eigenen Getreide herzustellen. Seit vergangenem Jahr ist das nun möglich, denn die Dinkels haben in eine eigene, hochmoderne Mühle investiert. Dort werden ihre Hartweizen- und Dinkel-Körner zu Grieß gemahlen, der dann in Spirelli und Jägerspätzle vom Dinkelhof landet. Jetzt muss der Hartweizen nur noch vom Feld ins Lager gebracht werden. Und dafür braucht die Familie in den nächsten Tagen ausnahmsweise mal keinen Regen. „Oder wenn, dann nur auf dem Acker vom Nachbarn“, sagt Thomas Dinkel und lacht.