München – Gefordert wird es schon länger, auch von SPD, FDP und Medizinern: In Kürze soll sich jeder bayerische Flugpassagier, der das möchte, auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 testen lassen können. Dies hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im ZDF angekündigt.
Etliche Details sind nun zu klären: Klar sei, dass diese Tests „kostenlos“ sein“ werden und „zügig angeboten werden“ sollen, erklärte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) unserer Zeitung. „Zügig“ heißt, wie zu hören ist, im Verlauf oder auch erst am Ende der ersten Ferienwoche. Das könnte dann das Wochenende ab dem 1./2. August sein, wenn nach der ersten Ferienwoche die ersten Rückkehrer wieder in Bayern eintrudeln. Die Frage, wer das bezahlt – der Freistaat oder die Krankenkassen – ist noch nicht geklärt, auch wenn die Antwort von Huml eher auf erstere Möglichkeit hindeutet. „Wir sind gerade dabei, mit dem bayerischen Finanzministerium die Einzelheiten für die geplanten Corona-Testzentren an bayerischen Flughäfen zu erarbeiten“, sagte sie. Ob nur heimkehrende Bayern getestet werden, oder alle, ist ebenfalls unklar. Eine Möglichkeit wäre, alle zu testen, die in Bayern ankommen – und nicht als sogenannte Umsteiger weiterfliegen.
Schon jetzt gibt es am Flughafen München die Möglichkeit, sich auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 testen zu lassen. Es dauert etwa drei bis fünf Stunden, bis das Ergebnis vorliegt. Das Angebot von Medicare, dem medizinischen Dienst am Flughafen, kostet allerdings 190 Euro. „Etwa 50 Reisende“ am Tag lassen sich testen, sagt ein Flughafen- Sprecher. Vor allem für Rückkehrer aus Risikogebieten, die sonst in Quarantäne müssten, biete sich das an.
Der Flughafen ist hier nicht allein. Der Flughafen Leipzig-Halle hat schon vergangene Woche eine Anlaufstelle für freiwillige Abstriche angekündigt. Finanzieren werden das verschiedene Städte und Landkreise im Umfeld des Flughafens. Am Flughafen Köln/Bonn können sich seit vergangenem Wochenende – ähnlich wie in München – Urlaubsrückkehrer freiwillig testen lassen. Der Test kostet hier 90 Euro, also 100 Euro weniger als in München. Am Frankfurter Flughafen bietet das Unternehmen Centogene in Kooperation mit Flughafen und Lufthansa Schnelltests an – dies richtet sich allerdings an Reisende, die Deutschland verlassen möchten und in ihrem Zielland einen negativen Corona-Test benötigen, um sich frei bewegen zu können. 59 Euro kostet ein Ergebnis innerhalb von sechs bis acht Stunden, 139 Euro ein Testergebnis, das innerhalb von drei Stunden vorliegt. Das Testergebnis wird digital verschickt.
Denkbar ist, dass es am Mittwoch eine einheitliche Linie vereinbart wird. Dann gibt es eine Schaltkonferenz der Gesundheitsminister der Länder mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
Es gibt allerdings auch Stimmen, die am Sinn der Testzentren zweifeln. Der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg warnte gegenüber dem MDR davor, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. Die Inkubationszeit des Virus betrage etwa fünf Tage – das Ergebnis eines Schnelltests lasse also das Ansteckungsrisiko der letzten Urlaubstage unberücksichtigt. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, daher sei für Heimkehrer eine Nachkontrolle einige Tage später beim Hausarzt wichtig.