München – Wochenlang saßen Angestellte in Reisebüros an ihren Schreibtischen und waren damit beschäftigt, gebuchte Urlaube zu stornieren. Reisen waren nicht möglich. Flüge wurden gestrichen, Hotels geschlossen. Jetzt läuft das Geschäft wieder an, wenn auch noch sehr verhalten, wie Jörg Stahl vom TUI-Reisecenter Flamingo in Dachau berichtet. „Die Menschen buchen Urlaube in Griechenland oder Kroatien. Die Auswahl ist aber noch sehr dünn und die Buchungen sind auch noch bei Weitem nicht auf Normalniveau“, sagt er. Und viele Menschen haben weiterhin Angst, etwa vor einer möglichen Quarantäne bei der Rückkehr oder einer Ansteckung im Flugzeug.
„Viele wollen in Gebiete, in die sie mit dem Auto fahren können“, sagt Corinna Gunst vom Reiseatelier in Erding. „Der Gardasee ist da sehr beliebt aber auch Österreich oder Kroatien.“ Wer allerdings eine Flugreise auf sich nimmt, etwa nach Spanien, „wird vor Ort mit dem Paradies belohnt, weil die Hotels nicht voll ausgelastet sein dürfen und die Urlaubsorte nicht überfüllt sind“, sagt die Reisebüro-Inhaberin. Sie habe schon einige sehr positive Rückmeldungen von Kunden erhalten. Kompliziert sei nur die Anreise, weil es von Region zu Region unterschiedliche Regeln gibt.
Die Zahl der Menschen, die sich für einen Urlaub im eigenen Land entscheiden, steigt dagegen. Während ein Sommer ohne Auslandsurlaub für viele Bayern lange unvorstellbar war, sorgt Corona nun für ein Umdenken. Die gebuchten Inlandsreisen beschränken sich neben den Bergen nicht nur auf die Nord- oder Ostsee. „Dort gab es viele langfristige Buchungen. Deshalb ist das Restkontingent nicht so hoch“, erklärt Gunst. Stattdessen probieren die Urlauber nun Alternativen aus, wie etwa Aktiv- oder Wanderurlaube, berichtet die Erdingerin.
Auch das Interesse an Camping-Urlauben steigt. „Wir sind ausgebucht, seit wir wieder öffnen durften“, erzählt Petra Schweiger vom Camping Brunnen in Schwangau (Kreis Ostallgäu). Zwar sei ihr Platz in der Sommerzeit immer voll, doch heuer habe es wesentlich mehr Anfragen gegeben. Ausgebucht ist auch der Kaiser-Campingplatz in Bad Feilnbach (Kreis Rosenheim), wie Inhaber René Scherff berichtet: „Negative Auswirkungen aufgrund der Krise gab es bei uns nicht.“ Scherff ist sich sicher: „Das gestiegene Interesse wird noch lange bestehen bleiben.“
Auch Bauernhöfe gehören zu den Urlaubsbetrieben, die von der Pandemie profitieren. „Auf dem Bauernhof gibt es mehr Platz und weniger Menschen“, sagt Monika Hüpper vom Landesverband Bauernhof- und Landurlaub Bayern. Der Verband, der auch unter dem Namen „Blauer Gockel“ bekannt ist, hat über 1400 Mitgliedsbetriebe. Bayernweit gibt es über 4000 Höfe, die einen Urlaub ermöglichen.
Doch auch auf dem Bauernhof könnte es schwer werden, jetzt noch einen Platz zu bekommen. „Durch die Pandemie rückt diese Urlaubsform gerade sehr in den Fokus“, sagt Hüpper. Viele Betriebe seien ausgebucht. Hier spielt auch ihre Vielfältigkeit den Bauernhöfen in die Karten. Egal, ob man seinen Urlaub in den Bergen oder an einem Gewässer verbringen will, Bauernhöfe gibt es fast überall. Vor allem für Kinder seien sie sehr abenteuerlich, betont Hüpper: „Sie kommen mit Tieren in Berührung, sie können Brotbacken lernen oder Kräuter sammeln. In einem Hotel gibt es diese Möglichkeiten nicht.“ Auch viele Menschen ohne Kinder oder Familie würden sich nun vermehrt für diese Urlaubsform entscheiden. „Leute, die radeln oder wandern wollen, fragen vermehrt an. Oder auch Menschen, die sich für ein paar Tage zurückziehen und die Ruhe genießen wollen.“ Durch Corona verbringen nun ganz unterschiedliche Gäste ihren Urlaub auf dem Hof.
Krisentrend: Urlaub auf dem Bauernhof