Ein Prosit der Gemeinsamkeit

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

München – Reinhard Leberfing will es gar nicht beschönigen. „Natürlich hat mir das Herz geblutet, als ich gehört habe, dass die Wiesn wegen Corona ausfallen muss“, sagt er. Seit vielen Jahren hat er auf dem Oktoberfest einen Brotzeit-Stand. Die Wiesn ist für ihn nicht nur ein Arbeitsplatz, sie ist ein Lebensgefühl. Deshalb hat der Passauer sein Herzblut schnell in eine Idee gesteckt. Und innerhalb weniger Tage wurde die größer und größer.

Er hat sich zusammengetan mit anderen Bayern, die Jahr für Jahr auf dem Oktoberfest arbeiten und die Wiesn leben. Gemeinsam haben sie den Verein „Schützen-Hilfe“ gegründet. Und der hat vergangenen Samstag damit begonnen auszuschenken. Aus dem Prosit der Gemütlichkeit wird in diesem Jahr eben ein Prosit der Gemeinsamkeit.

„7,3 Millionen Mass sind vergangenes Jahr ausgeschenkt worden“, sagt Leberfing. Auch wenn die Nachfrage nach virtuellem Wiesn-Bier etwas geringer sein dürfte, könnte trotzdem viel Geld zusammenkommen, um etwas Gutes zu tun. Darauf hoffen Leberfing und seine Mitstreiter zumindest. Sie verkaufen auf ihrer Internetseite www.schuetzen-hilfe.de Wiesn-Bier. Zwölf Euro kostet die virtuelle Mass, natürlich kann jeder wie im Bierzelt gerne mehr bestellen. Der gesamte Erlös geht an Initiativen, die Kinder, Senioren und Menschen in Not unterstützen. „Wir wollen ein möglichst breites Spektrum unterstützen“, sagt Leberfing. Jede Zahlung wird deshalb auf der Homepage transparent dokumentiert Wichtig ist es ihm zu betonen, dass die Wiesn-Beschäftigten von dieser Aktion nicht profitieren. „Wir machen das rein ehrenamtlich“, erklärt er. „Es geht nicht darum, einen Ersatz für unseren Verdienstausfall zu erhalten.“ Sondern es gehe um das, was die Wiesn ausmache. „Das Gemeinschaftsgefühl.“

Als ehemaliger Fußballtrainer kennt Leberfing viele Leute. Er hat sich in seinem Bekanntenkreis etwas umgehört. Schnell hatte er einen jungen Helfer gefunden, der die Internetseite für ihn baute. Auch ein Werbefilm für die Aktion ist entstanden und dort zu sehen. „Es war unheimlich einfach, Menschen für die Idee zu begeistern“, erzählt er. „Besonders die, die die Wiesn leben, waren sofort dabei.“

Schon in den ersten 48 Stunden der Aktion hat der Verein mehr als 250 virtuelle Mass verkauft. „Das ist kein schlechter Start“, findet Reinhard Leberfing. Er hofft nun, dass es genauso gut weiterläuft. „Wir wollen die Aktion mindestens bis Jahresende laufen lassen“, sagt er. „Noch schöner wäre es natürlich, wenn wir das bis zur nächsten Wiesn 2021 schaffen würden.“ Je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer wäre das Zeichen an die Welt: „Auch wenn wir 2020 auf dem Trockenen sitzen, fließt Geld für Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Wenn alle zusammen helfen, können wir was Großes auf die Beine stellen.“ Das wäre etwas, auf das er und seine Mitstreiter im kommenden Jahr auf der Wiesn nur zu gern anstoßen würden.

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