Freie Wähler: Millionen für Regio-Schlachtung

von Redaktion

München – Die Corona-Fälle in Deutschlands größtem Schlachthof beim Fleischkonzern Tönnies haben die Debatte über die Fleischproduktion neu angeheizt. Als Reaktion auf die immer stärkere Konzentration der Schlachtung in Deutschland – und auch in Bayern – fordert die Landtagsfraktion der Freien Wähler ein Konjunkturprogramm für regionale Schlachtbetriebe in Bayern.

„Der Skandal bei Tönnies hat eine Misere sichtbar gemacht, bei der die schlechte Entwicklung schon lange läuft“, sagt FW-Fraktionschef Florian Streibl. Zwar gebe es in Bayern mit 1800 Betrieben immer noch sehr viele Schlachtstätten. Doch die hohe Zahl täusche darüber hinweg, dass auch im Freistaat 70 Prozent aller Tiere in Betrieben der Großkonzerne geschlachtet werden. „Die Tiere kommen sogar aus dem Ausland zu uns, weil wir so günstige Produktionsbedingungen haben“, sagt Vizefraktionschef Johann Häusler. Doch dabei bleibe sowohl die regionale Wertschöpfung und teils auch das Tierwohl wegen langer Transporte auf der Strecke.

Deshalb fordern die Freien Wähler ein „Schlachthof-Strukturkonzept“. Die Ziele: Metzgereien sollen wieder gestärkt werden, nachdem wegen hoher Hygieneauflagen durch zwei EU-Verordnungen immer mehr Betriebe entweder nicht mehr selbst schlachten, oder ganz aufgegeben haben. Die direkte Beziehung von den Landwirten zu den Vermarktern müsse wieder verbessert werden. Streibls Wunsch: „Ideal wäre, wenn man an der Theke wieder weiß, von welchem Landwirt das Fleisch stammt.“ Zudem müssten mittelständische Schlachtbetriebe unterstützt werden. Zum Beispiel, wenn sich Erzeugergemeinschaften zusammentun und gemeinsam einen Schlachthof betreiben, wie das etwa in Traunstein der Fall ist. Und zuletzt wünschen sich die Freien Wähler wieder mehr kommunale Schlachthöfe, wie es sie vereinzelt noch in Kulmbach oder in Fürth gibt. Viele dieser Betriebe hatten in den vergangenen Jahrzehnten aus Kostengründen dicht gemacht.

Häusler schwebt ein Konjunkturprogramm in Höhe von rund 25 Millionen Euro vor, in dem über verschiedene Förderprogramme die regionale Struktur besser unterstützt wird. Er betont: „Kostenreduktion und eine Konzentration der Standorte können nicht das Allheilmittel für die Wirtschaft sein.“

Experten haben angesichts der Dezentralisierungs-Debatte in der Fleischbranche aber auch Bedenken. So fürchtet Peter Sutor, Leiter des Instituts für Ernährungswirtschaft und Märkte an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, dass sich die Schlachtung ins Ausland verlagern könnte, wenn die Auflagen in Deutschland weiter hoch geschraubt werden. „Damit ist dem Tierwohl nicht geholfen.“ Zudem ist aus seiner Sicht das Tierwohl in kleinen Betrieben – abgesehen vom womöglich kürzeren Transportweg – nicht unbedingt besser. Eine Förderung der regionalen Schlachtung mache nur dann Sinn, wenn man gleichzeitig eine regionale Wertschöpfungskette mit den Metzgereien vor Ort aufbauen kann. „Denn die großen Abnehmer schauen sich dann ganz schnell wo anders um.“

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) reagiert zurückhaltend auf die Forderung des Koalitionspartners. Bayern sei mit seinen 1800 Schlachthöfen schon jetzt besser versorgt als alle anderen Bundesländer. „Dies gilt es für die Zukunft zu erhalten, dafür haben wir schon sehr gute Programme“, sagt Kaniber. Speziell die Investitionsförderung sei bei der Schlachtung auf kleine und kleinste Unternehmen beschränkt, um eben diese Strukturen zu stärken.

VON DOMINIK GÖTTLER

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