Regensburg – Maria Baumers Zwillingsschwester ist in dem Prozess nicht nur Zeugin – sie sie und ihre Eltern treten auch als Nebenkläger auf. Von ihnen erhofft sich das Gericht wichtige Informationen, um zu klären, ob der angeklagte Krankenpfleger seine Verlobte mit einem Medikamenten-Mix getötet und ihre Leiche im Wald vergraben hat.
Sie habe sich lange Zeit nicht vorstellen können, dass ihr Schwager in spe mit der Tat etwas zu tun haben könnte, sagte die 34-Jährige gestern in ihrer Aussage. Doch nach dem Fund der Leiche habe sie Zweifel bekommen. Sie erzählte von einer sehr engen Bindung zu Maria, sie und ihre Schwester hätten keine Geheimnisse voreinander gehabt. Auch das Verhältnis zu ihrem heute 35 Jahre alten Verlobten sei gut gewesen. Er habe zur Familie gehört. Im Mai 2012 hatte der Verlobte bei ihren Eltern angerufen und von Marias Verschwinden berichtet.
Stunden später habe er gesagt, sie habe sich gemeldet und mitgeteilt, sie sei auf dem Weg nach Hamburg und komme zwei Tage später zurück. Das sei ihr komisch vorgekommen, sagte die Schwester. Sie habe dem Verlobten jedoch geglaubt. Als Maria nicht zurückkehrte, seien sie gemeinsam zur Polizei gegangen und hätten sie als vermisst gemeldet.
Bei Polizeivernehmungen hatte sie ausgeschlossen, dass sich Maria selbst etwas angetan oder dass deren Verlobter mit dem Verschwinden zu tun haben könnte. Der Mann war dann nach dem Fund der Leiche Baumers im Herbst 2013 in das Visier der Ermittler geraten, jedoch wieder auf freien Fuß gekommen.
Ende 2019 wurde er erneut festgenommen – unter anderem konnten an Kleidung und Haaren der Toten Medikamente nachgewiesen werden. Zudem soll der Verlobte kurz vor dem Verschwinden Baumers im Internet zu Tötungsmethoden recherchiert und nach „Lorazepam letale Dosis“, „tödliche Dosis Insulin“ und „der perfekte Mord“ gesucht haben. Außerdem kaufte er laut Anklage einen Spaten.
Die Zwillingsschwester berichtete, Maria habe damals unter Stress gestanden: Sie habe nach dem Ende des Studiums eine Vollzeitstelle angetreten, wovon sie sich zunächst etwas überfordert gefühlt habe. Auch die Wahl zur Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugend und der mit dieser Aufgabe verbundene Zeitaufwand hätten sie beschäftigt. Außerdem habe Maria über einen Gedächtnisaussetzer geklagt, der ihr Sorgen bereitet habe. Aus Sicht der Schwester gab es aber keinen Grund, warum Maria hätte verschwinden sollen. Die Hochzeitsvorbereitungen waren damals fast abgeschlossen.
Nach dem Verschwinden Marias habe sie noch viel Kontakt zu dem Verlobten gehalten. Sie habe den Eindruck gehabt, man stütze sich gegenseitig. Spätestens nach dem Fund der Leiche habe sie jedoch öfter Zweifel an dessen Version gehabt. Von einer möglichen neuen Frau im Leben des 35-Jährigen wusste sie nichts. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte Baumer mit Medikamenten umbrachte, um frei für eine neue Beziehung zu sein. Bisher schwieg er. Sein Verteidiger will einen Freispruch erwirken. Der Prozess ist zunächst bis in den Herbst hinein geplant.