Mit Hilfslehrern durch die Corona-Zeit

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – Corona-Krise und Lehrerlücke – es sind zwei große Baustellen, die das Kultusministerium beschäftigen. Die Stellenmisere bei Grund-, Mittel- und Förderschulen ist dabei nach Lage der Dinge wohl das kleinere Übel. Schon im Januar wurde bekannt, dass an den Grund- Mittel- und Förderschulen im kommenden Schuljahr bis zu 1400 Lehrer und Lehrerinnen fehlen werden. Das Ministerium reagierte darauf mit verschiedenen Zwangsmaßnahmen wie eine vorübergehende Erhöhung der Arbeitszeit oder der Streichung des Sabbatjahrs. Kürzlich sanktionierte der Ministerrat trotz Protests des BLLV diese Methoden.

Piazolo konnte gestern schon eine erste Bilanz ziehen: Ganz so schlimm komme es doch nicht. Statt 1400 fehlen nur 1200 Stellen, außerdem konnten über 200 Pensionäre gewonnen werden, die „aus freien Stücken“ mit unterschiedlicher Stundenzahl an die Schulen zurückkehren. Letztendlich habe man „die Bedarfslücke“ schließen können – was nicht heiße, dass die Personallage ernst bleibe.

Das Ministerium will nun unter anderem eine Kampagne „Zukunft prägen, Lehrer werden“ starten, um Abiturienten für den Lehrerberuf zu begeistern.

Diese Lehrer dürften dringend gebraucht werden, wenn die Schulen ab September zum Regelbetrieb zurückkehren. Ministerpräsident Markus Söder hatte jüngst im ZDF Zweifel angemeldet („noch nicht so überzeugt“). Piazolo bekräftigte hingegen, er habe „das Ziel und den Willen“, den Regelbetrieb durchzusetzen. Allerdings sehe er mit Sorge das Hochschnellen der Infektionszahlen in anderen Ländern. „Das treibt uns um.“ Die endgültige Entscheidung über die Rückkehr zum Regelbetrieb falle deshalb zum Schulferienende – auf ein Datum wollte er sich nicht festlegen. Der Minister verdeutlichte gestern vor der Presse erneut, was der von ihm sogenannte „Regelbetrieb mit besonderen Hygienemaßnahmen“ bedeutet: kein Mindestabstand mehr von 1,5 Metern zwischen den Schülern, Maskenpflicht nur in den Gängen, aber nicht während des Unterrichts. Ansonsten Händewaschen und gute Belüftung der Räume. Ähnlich wie bei den Kitas sollen die Lehrer auf verschnupfte Kinder achten und sie bei gravierenden Fällen bei der Schulleitung melden. Notfalls, so Piazolo, „schickt die Schulleitung das Kind zur Testung“.

Anders als in diesem Schuljahr wird es für Lehrer ab 60 keinen generellen Freibrief geben, zu Hause zu bleiben. Dafür ist künftig ein Attest nötig. Trotzdem werde eine größere Anzahl Lehrer sicherlich Corona-bedingt zu Hause bleiben müssen, sagte Piazolo. Daher sollen, wie gestern bekannt wurde, 800 sogenannte Teamlehrer eingestellt werden. Diese sollen Stammlehrer unterstützen, die zu Hause bleiben müssen und ihre Klassen nur per Digitalunterricht betreuen. Bewerben kann man sich ab sofort, notwendig ist ein Hochschulstudium (nicht zwingend ein Lehramtsstudium).

Die Landtags-SPD wunderte sich gestern: „Die Schulen zwei Tage vor den Sommerferien mit der Suche nach Teamlehrkräften zu beauftragen, die in gut sechs Wochen eingesetzt werden sollen, ist aberwitzig“, sagte SPD-Schulexpertin Simone Strohmayr. Ähnlich scharf reagierte der Bildungsexperte der Grünen, Thomas Gehring: „Die Lehrerlücke ist das Grundübel des bayerischen Schulsystems“. Er regte an, stärker auf Seiteneinsteiger zu setzen – ein Vorschlag, den Piazolo strikt ablehnt.

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