Ranger gegen das Ausflugs-Chaos

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

Bayrischzell – Stephanie Hintermayrs Arbeitsausrüstung besteht aus einem Stapel Flyer und einem Lächeln. So steht sie an sonnigen Wochenenden an einem der Parkplätze in Bayrischzell im Kreis Miesbach – und spricht Ausflügler an. „Die Reaktionen sind fast immer freundlich“, berichtet sie. Denn schließlich will sie den Tagesgästen ja auch unnötige Wartezeiten und Verkehrschaos ersparen.

Denn davon gab es dieses Jahr in vielen bayerischen Ausflugsregionen mehr denn je. Die Bayrischzeller seien eigentlich sehr gastfreundlich, berichtet Hintermayr. „Wir leben ja vom Tourismus.“ Aber die Stimmung drohte zu kippen, weil landwirtschaftliche Wege zugeparkt waren oder die Anwohner genervt von den Autoschlangen waren, die jedes Wochenende durch den Ort rollten. Deshalb hatte sich der Gemeinderat entschieden, Ranger einzusetzen. „Wir wollten ganz pragmatisch Selbsthilfe leisten“, berichtet Hintermayr, die auch Leiterin der Tourist-Info ist. Vorbild für die Ranger-Idee waren die Tourist Scouts, die früher in Schliersee unterwegs waren. Auch im Rotwandgebiet waren vergangenes Jahr bereits einmal Ranger im Einsatz – dort allerdings vor allem, um Wanderer dafür zu sensibilisieren, auf den Wegen zu bleiben.

Die Gemeinde Bayrischzell finanziert die Ranger. Sie hat Flyer drucken lassen. Einen, der alle Wander-Parkplätze im Ort zeigt und alternative Wanderrouten. Und einen zweiten, der Ausflugstipps fernab der Hotspots zeigt. „Als Inspiration für künftige Ausflüge“, erklärt Hintermayr. Sie und ihre Ranger-Kollegen winken die Autos, die auf die Parkplatze rollen, zu sich, verteilen die Flyer, geben Tipps. „Die Reaktionen waren bisher fast ausschließlich freundlich“, berichtet sie. „Richtig genervt hat noch niemand reagiert.“ Es sei sehr leicht, mit den Ausflüglern ins Gespräch zu kommen. Auch dank der olivgrünen T-Shirts mit dem Bayrischzell-Wappen, die die Ranger tragen. „Es soll auf den ersten Blick erkenntlich sein, dass wir keine Polizei sind und Strafzettel verteilen“, erklärt Hintermayr. „Unsere Aufgabe ist es, zu vermitteln und zu informieren.“

Genug Helfer waren für diese Aufgabe schnell gefunden, berichtet sie. Es sind vor allem Schüler, Studenten und Rentner, die sich mit den Einsätzen ein wenig dazuverdienen wollen. „Wir haben aktuell einen Stamm von etwa sieben Leuten.“ Bisher sind sie nur an den Samstag- und Sonntagvormittagen auf den Parkplätzen unterwegs. Allerdings gibt es bereits Überlegungen, die Ranger-Einsätze während der Urlaubszeit auf weitere Tage auszuweiten. Denn obwohl sie erst seit drei Wochen Ausflügler ansprechen, mache sich das bereits bemerkbar, berichtet Hintermayr. „Kritische Momente gab es seitdem nicht mehr“, berichtet sie. „Und von den Anwohnern und Landwirten sind uns auch keine Beschwerden mehr zu Ohren gekommen.“

Andere Gemeinden haben schon Interesse bekundet, berichtet Hintermayr. „Schliersee und Fischbachau verfolgen gerade ganz genau, wie die Ranger-Idee ankommt.“ Auch im Kreis Garmisch-Partenkirchen denkt man bereits über ein ähnliches Konzept nach. Dort hat die CSU-Kreistagsfraktion bereits dafür plädiert, drei Naturpark-Ranger einzustellen, die an den touristischen Brennpunkten zwischen Staffelsee und Karwendel nach dem Rechten sehen. Im Ammertal läuft seit 2018 ein ähnliches Ranger-Projekt – ebenfalls mit positiven Ergebnissen.

Stephanie Hintermayr ist überzeugt, dass diese Soforthilfe für einen friedlichen Sommer sorgen könnte. Der menschliche Aspekt sei viel effektiver, als Strafzettel oder Bußgelder zu verteilen. „Wir wollen unsere Gäste ja auch nicht verlieren“, sagt sie. „Schließlich hat ja jeder das Recht auf Naturerlebnisse.“

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