„Uns haben sie hier vergessen“

von Redaktion

Steffi Hafner, Mutter aus Schmerold bei Gmund am Tegernsee:

Wir sind jetzt wirklich ferienreif. Meine Kinder, die es lernen sollten, können nicht mit Medien umgehen. Dafür kann ich’s jetzt gut. Unser großes Problem: In Schmerold, wo wir wohnen, gibt es kaum Internet. Schnelles sowieso nicht. Das hat uns wirklich gefordert. Dabei bin ich recht zuversichtlich in den Unterricht daheim gegangen. Ich konnte mir Zeit nehmen und wir haben von den Schulen – einer meiner beiden Söhne geht aufs Gymnasium in Miesbach, der andere auf die Realschule Tegernseer Tal – gutes bis sehr gutes Material fürs Lernen daheim bekommen.

Aber damit sie anfangen konnten, musste ich jeden Tag in der Früh zuerst in unseren Betrieb in Dürnbach fahren und im Büro die Tagespläne für Vitus (13) und Quirin (11) abrufen und ausdrucken. Videos, Filme und Tutorials habe ich auf USB-Sticks gezogen. Am Abend bin ich mit den eingescannten Hefteinträgen wieder zurück und habe sie den Lehrern geschickt. Oder ich habe selbst recherchiert, womit wir tagsüber bei den Übungen Schwierigkeiten hatten.

Mal schnell etwas nachschauen ist daheim kaum möglich. Wir haben nur übers Telefon Internetempfang. Die beste Verbindung ist am Balkon, und sobald mehrere Leute in unserem Weiler mit 60 Leuten das Internet nutzen, wird es heikel. Ich habe oft an die Versprechen der Politiker über flächendeckenden Breitbandausbau auf dem Land gedacht. Uns haben sie hier wohl vergessen. Wir sind immer noch in der Warteschleife und Alternativen zur Telekom gibt es nicht, weil wir zu abgelegen sind.  Protokoll: Heidi Siefert

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