München – Joshua Grasmüller hat, wie alle Schüler in Bayern, ein turbulentes Jahr hinter sich. Dennoch hat der Koordinator des Landesschülerrats erfolgreich sein Abitur abgelegt – allen Reibereien mit dem mitunter holprig laufenden Online-Schulsystem „Mebis“ zum Trotz. Für den Eichenauer ist die Schullaufbahn damit beendet. Aber der Politik gab er noch eine Bitte mit auf den Weg, nachdem er gestern am Digitalisierungsgipfel von Staatsregierung, Lehrern und kommunalen Spitzenverbänden die Schüler vertreten hatte. Sein Appell: „Die Digitalisierung darf nicht mit dem Abklingen der Corona-Pandemie aufhören.“
Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nutzte die letzte Woche im Corona-Schuljahr, um einen „Digital-Turbo“ für Bayerns Schulen anzukündigen. Die bereits abgesegnete Bundesförderung von 900 Millionen Euro bis zum Jahr 2024 will Bayern mit 1,1 Milliarden aufstocken. Das sei eine knappe halbe Milliarde mehr als bisher geplant, betonte Söder. Das Geld soll in Software, Hardware und Fortbildung fließen.
Konkret etwa in eine Videoplattform mit dem Namen „Bayern-Cloud“, die Söder als eine Art „Mebis Plus“ oder „Schul-Youtube“ bezeichnete. Dort sollen Videokonferenzen und Podcasts möglich sein, sowohl innerhalb der Schule, aber auch per Zugriff von zu Hause. Unklar ist noch, bis wann die neue Plattform zur Verfügung steht.
Zudem sollen im Bereich der Hardware zusätzliche Leihgeräte angeschafft werden. 250 000 Stück für bedürftige Schüler, 20 000 für Lehrer. Bis September soll erfasst werden, welche Schulen bei der Breitband- und Wlan-Versorgung noch hinterherhängen. 600 zusätzliche Stellen soll es für Systemadministratoren für die Schulen geben, finanziert zur Hälfte vom Freistaat und den Kommunen. Weitere 200 neue Stellen verspricht Söder für ein neues Schul-Rechenzentrum, für zusätzliche digitale Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer sollen es noch einmal 100 zusätzliche Stellen sein. Kultusminister Michael Piazolo (FW) erhofft sich von dem Digital-Programm einen Schub für die Medienkompetenz der Schüler, aber auch bei der Chancengleichheit und Krisenfestigkeit innerhalb der Schulfamilie.
Landkreistagspräsident Christian Bernreiter lobte, dass der Freistaat die Forderung nach einer Bayern-Cloud aufgenommen habe und auch die Kosten dafür übernimmt. Und auch Walburga Krefting, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Lehrerverbände, sprach von einem wichtigen Schritt, der einige digitale Lücken schließen werde. Sie mahnte aber, die Digitalisierung dürfe nicht zum Selbstzweck werden. „Bildung braucht den Menschen.“ Ähnlich äußerte sich die Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands. Sie begrüßte, dass viel Geld in die Hand genommen wird. Die Lehrer dürften aber nicht auf der Strecke bleiben, wenn die Erwartungen immer größer werden.
Aus der Opposition hieß es, eine Digital-Offensive an den Schulen sei überfällig. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Horst Arnold sagte aber, dass vergangene Fördermaßnahmen häufig so kompliziert waren, dass die Mittel nur zögerlich abgerufen wurden. Auch Max Deisenhofer von den Grünen sprach von später Einsicht und betont, die neue Bayern-Cloud dürfe nicht zum Mebis-Wiederholungsfall werden.