Hollenbach – In der Gemeinde Hollenbach bei Aichach sind am Samstag sechs gerissene Schafe und drei weitere verletzte Tiere gefunden worden. Das bestätigte der Bürgermeister der Gemeinde, Franz Xaver Ziegler, unserer Zeitung. „Die Tiere wurden übel zugerichtet“, sagt er. Fotos, die die getöteten Schafe auf einem Hang am Rande eines Maisfelds zeigen, kursieren bereits unter den Ortsansässigen. Es bestehe der Verdacht, dass es sich bei dem Angreifer um einen Wolf handle, sagt Ziegler. Denn nachdem die Schafe gerissen wurden, platzierte ein örtlicher Jäger eine Wildtierkamera an der Stelle, einer „ruhigen Ecke in unserer Gemeinde“, wie Ziegler sagt. Am späten Samstagabend tappte schließlich ein wolfsähnliches Tier in die Fotofalle, als es sich – womöglich erneut – einem der gerissenen Schafe näherte.
Bürgermeister Ziegler hat am Sonntag von dem Vorfall erfahren und das Landesamt für Umwelt (LfU) eingeschaltet. „Ich mache mir keine Sorgen. Aber ich halte es für wichtig, dass sich die Fachleute jetzt ein Bild von der Situation machen und wir schnell Informationen und Handlungsempfehlungen für die Bevölkerung herausgeben können.“ Das LfU schickte einen Experten des Netzwerks große Beutegreifer, der die Situation vor Ort begutachtete und genetische Proben nahm. Diese werden derzeit analysiert, teilte das LfU gestern mit. Auch die Behördenvertreter gehen von einem Wolf als Verursacher aus. Deshalb wurde die Förderkulisse zum Herdenschutz auch auf Hollenbach und die umliegenden Gemeinden erweitert, sodass Tierhalter dort bei Herdenschutzmaßnahmen staatlich gefördert werden können.
Paul Berchtenbreiter, Vorsitzender des Aichacher Jägervereins, sagt, es wäre der erste Wolf in der Region. „Wenn es ein Einzeltier ist, wird er sicher weiterziehen“, sagt der Jäger. Im Nachhinein sei aber auffällig, dass in den vergangenen Tagen trotz Brunftzeit kaum Wild im Wald zu sehen gewesen sei, sagt Berchtenbreiter. „Da könnte natürlich der Wolf eine Ursache dafür gewesen sein.“
Die Zahl der Wolfsnachweise in Bayern steigt in den vergangenen Jahren stetig an. Allein für die vergangenen drei Monate listet das LfU 14 Nachweise auf, die meisten davon durch Fotoaufnahmen aus Wildtierkameras. Zwei der jüngsten Wolfsnachweise stammen aus Oberbayern und zwar aus dem südlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen – auch dort wurden Schafe gerissen – sowie aus einem Waldstück im Landkreis Weilheim-Schongau.
DOMINIK GÖTTLER