München – Aufgeregt und voller Vorfreude sind die Erstklässler, wenn sie mit dem Ranzen auf dem Rücken und ihrer bunten Schultüte in der Hand zum ersten Mal die Schule betreten. Begleitet werden sie von ihren stolzen Eltern, Großeltern und Geschwistern, mit einer kleinen Feier werden die Abc-Schützen willkommen geheißen. An manchen Schulen singt der Schulchor oder ältere Kinder haben eine Aufführung vorbereitet, manchmal gibt es auch einen Gottesdienst. So läuft normalerweise der erste Schultag ab. Doch dieses Jahr ist wegen der Corona-Pandemie alles anders.
Auf Gesang und Buffets verzichten die meisten Schulen und häufig werden die Erstklässler zur Begrüßung in Gruppen aufgeteilt. Teilweise dürfen außerdem nicht beide Elternteile an der Einschulung teilnehmen. „Natürlich ist es sehr, sehr schade. Es ist ein bedeutender Tag im Leben der Kinder und sehr emotional“, sagt ein Vater, dessen Sohn eine erste Klasse der Grundschule an der Klenzestraße in München besuchen wird. Auch dort wurden die Eltern bereits informiert, dass pro Kind nur eine Begleitperson dabei sein darf. „Wahrscheinlich geht die Mama mit“, sagt der Münchner Vater. „Ich lasse mir dann später alles erzählen.“
Den Schulen fallen die Einschränkungen ebenfalls nicht leicht. Es sei eine „schwierige Situation“, sagt Karin Ernstorfer, Leiterin der Dachauer Klosterschule. Die Aula sei sehr klein und schlecht zu belüften und auch der Pausenhof sei zu eng. Mit dem Elternbeirat habe man mehrere Varianten durchgesprochen, auch auf ein anderes Gebäude auszuweichen, war im Gespräch. Letztlich wurde die Idee aber wieder verworfen. Die fünf ersten Klassen werden jetzt in drei Schichten begrüßt, ein Elternteil darf dabei sein. In der letzten Ferienwoche will Ernstorfer überprüfen, ob das Konzept noch zur aktuellen Virus-Situation passt.
Laut dem Kultusministerium wird derzeit der Hygieneplan überarbeitet, deshalb könnten sich die Vorschriften für die Feiern zur Einschulung noch ändern. Eines ist wohl sicher: „Es ist erforderlich, bei der Planung und Durchführung den Infektionsschutz zu beachten“, berichtet Sprecherin Julia Kuntz. „Entscheidungen über die konkrete Gestaltung der Feiern können nur vor Ort und mit Blick auf die Rahmenbedingungen an der jeweiligen Schule getroffen werden“, sagt sie.
„Besondere Zeiten brauchen besondere Einschulungsmodalitäten“, sagt auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Sie kann verstehen, dass Elternteile oder Großeltern enttäuscht sind, wenn sie nicht mit zur Einschulung dürfen. „Auch für Patchwork-Familien ist es schwierig.“ Generell müsse man abwarten, wie sich das Virus bis September entwickelt. Wichtig sei vor allem eines: „Dass die Kinder trotzdem das Gefühl haben, dass es ein ganz besonderer Tag ist.“ Fleischmann hofft zudem, dass in den ersten Wochen für die Erstklässler ein normaler Unterricht möglich ist. „Wenn es gleich wieder Unterricht zu Hause gäbe, wäre es schwer für sie.“
Dass der Schulanfang anders sein wird, versteht auch der Bayerische Elternverband. „Man wird eine Abgrenzung treffen müssen, wer alles zur Einschulung mitdarf“, findet der Landesvorsitzende Martin Löwe. Die Feiern müssten reduziert werden, „auch wenn die Schulen sicher alles versuchen, was im Möglichen liegt.“ Löwe hat aber eine Bitte an die Schulen: „Entscheidend ist, dass die Schulen verständlich kommunizieren, wie es mit den Einschränkungen abläuft.“