Kniebeuge am Kinderwagen

von Redaktion

VON NINA PRAUN

Haar/Riem – Acht Frauen schreiten durch den Riemer Park, jede schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Die Damen wirken guter Dinge, doch ihr Schritt ist recht stramm. Hier wird nicht geschlendert. Hier wird gesportelt. „Das ist wirklich wirkungsvolles Training“, erklärt Claudine Wolferstätter. Die 34-Jährige aus Haar (Kreis München) ist eigentlich Biologin, außerdem Mutter zweier Töchter – und seit Oktober 2019 offizielle „Buggyfit“-Trainerin.

Das Konzept ist so einfach wie logisch: Mütter kommen zusammen, um nach der Schwangerschaft wieder etwas für ihren Körper zu tun – und sie nehmen ihre Babys einfach mit. Das erspart erstens die Suche nach einem Babysitter und zweitens das schlechte Gewissen, weil man das Baby verlässt. Das Kind samt Kinderwagen wird einfach in die Sporteinheit mit eingebunden.

Die Idee dazu stammt aus England, 2009 hat eine Münchnerin sie nach Deutschland gebracht und damit eine echte Marktlücke gefüllt. Es gibt zwar Babymassage- und Kinderturnkurse, doch die drehen sich um das Kind, nicht die Mutter; die wiederum bekommt zwar einen „Rückbildungskurs“, doch der dient hauptsächlich dazu, Beckenboden, Bauch und Rücken nach der Geburt sanft zu stärken. Was unbedingt notwendig ist, sagt auch Claudine Wolferstätter. Ihre Teilnehmerinnen sollen schon einige Stunden dieses Kurses absolviert haben, bevor sie zu ihr kommen. Doch der Buggyfit-Kurs geht weiter. „Wir machen wirklich Sport“, sagt die 34-Jährige. Zweimal die Woche gibt die ehemalige Kunstturnerin Kurse, mit Aufwärmübungen, Konditions- und Krafttraining, Bauch- und Rückenübungen und Stretching, alles abgestimmt auf den Körper nach der Geburt.

Doch der charmanteste Teil des Kurses sind die Kleinen: Die sind mittendrin. Ihr Kinderwagen dient quasi als Fitnessgerät. Sie werden erst zügig durch den Park geschoben, dann können sie ihre Mütter aus dem Wagen heraus beim Beugen, Dehnen, Stemmen und Biegen betrachten – und haben ihren Spaß dabei. Manchmal sind die Kinder beim ersten Mal etwas unruhig, doch sie gewöhnen sich schnell an den regelmäßigen Termin, berichtet Wolferstätter: „Einige schlafen einfach sofort ein, sobald wir den Park betreten.“ Sie passt als Trainerin auch auf die Kinder auf, wenn die Mütter etwa Übungen auf einer Treppe machen sollen. „Ich bespaße die Kleinen dann, das funktioniert sehr gut.“

Die Frauen haben also Zeit für echten Sport, „sie sind danach durchgeschwitzt“, sagt Wolferstätter stolz. Und glücklich, denn: „Sport an der frischen Luft schüttet Endorphine aus“, erklärt die Kursleiterin. Genau das ist auch ein echter Pluspunkt während der Coronakrise: Der Kurs findet bei jedem Wetter an der frischen Luft statt, mit viel Platz für Abstand. Während des Lockdowns musste Wolferstätter ihre Kurse eine Zeit lang über das Internet anbieten, doch sobald es wieder erlaubt war, waren die Mütter ganz wild auf die Kurse draußen – es gab sogar Wartelisten. Mittlerweile hat sich der Andrang wieder entspannt, doch die Kurse bleiben gut besucht.

Sicher auch wegen der anderen Teilnehmerinnen. „Das Soziale ist sehr wichtig“, sagt Wolferstätter. „Man kann sich mit Gleichgesinnten austauschen, gerade auch, wenn es mal nicht so gut läuft. Die gute Laune ist quasi vorprogrammiert.“

Mehr Informationen

zu den Kursen gibt es im Internet unter www.buggyfit.de/haar.

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