Neues Großprojekt am Flughafen

von Redaktion

Event-Arena für 20 000 Besucher geplant – Kritiker fordern Verkehrskonzept

VON DIRK WALTER

München/Freising – Immobilien-Entwickler planen am Flughafen München den Bau einer großen Event-Arena. Die Multifunktionshalle, MUC Convention Center genannt, soll Platz für 20 000 Zuschauer bieten. Als Investitionssumme wurden bei einer Präsentation des Projekts am vergangenen Mittwoch in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Freisinger Planungsausschusses 200 Millionen Euro genannt, erfuhr unsere Zeitung.

Die Arena soll sich für Konzerte, Kongresse und TV-Aufzeichnungen eignen. Mehrere Dutzend Veranstaltungen im Jahr sind dort angedacht. Hinter dem Plan steht die KGAL GmbH & Co. KG mit Sitz in Grünwald. Geschäftsführer Gerd Waltenbauer stellte die Pläne zusammen mit dem Freisinger Immobilienmanager Lorenz Schmid, mit dem er über die gemeinsame Firma SWMunich Real Estate GmbH verbunden ist, im Ausschuss vor. KGAL ist in der Branche seit Langem als Entwickler von Immobilienprojekten bekannt. Die Gesellschaft sammelt Kapital in Fonds, die Zeichner bekommen dafür Ausschüttungen. Auch an der Entstehung der Münchner Allianz Arena war KGAL beteiligt. Unklar ist, warum die Erstvorstellung des jetzigen Projekts in einer nicht-öffentlichen Sitzung erfolgte. Ein Projekt dieser Größenordnung auf Freisinger Flur müsse von Anfang an mit größtmöglicher Transparenz diskutiert werden, sagten Kritiker unserer Zeitung. Womöglich wollten die Immobilien-Entwickler keine Konkurrenz auf den Plan rufen – ähnlich soll es bei einem Hallenprojekt am Frankfurter Flughafen gelaufen sein.

Dass der Flughafen mit einer Event-Arena liebäugelt, ist seit Längerem bekannt. Über genügend Grund verfügt die Flughafen München GmbH. Womöglich könne der über ein Erbpachtmodell zur Verfügung gestellt werden. Die Multifunktionshalle soll nach Informationen unserer Zeitung im Nordwesten des Flughafengeländes entstehen. Als Hallengröße wurden 18 000 Quadratmeter genannt. Laufe das Genehmigungsverfahren rasch und reibungslos, könne die Arena 2024 stehen, hieß es.

Das allerdings erscheint keineswegs als gesichert. Der Freisinger Landtagsabgeordnete Benno Zierer, der auch im Stadtrat sitzt (nicht aber im Planungsausschuss), warnte auf Anfrage vor einem regionalen Verkehrskollaps auf den Zufahrtsstraßen. „Das Problem wird die Verkehrserschließung.“ Er verlangte gegenüber unserer Zeitung ein Verkehrsgutachten. Die Stadt Freising müsse hier klare Vorgaben machen.

Auch die Aktivisten gegen die dritte Startbahn, deren Planung derzeit auf Eis liegt, beobachten die Entwicklung mit Argwohn. „Wir stehen dem sehr kritisch gegenüber“, sagte Christian Magerl, Sprecher des Anti-Startbahn-Bündnisses „Aufgemuckt“, unserer Zeitung. Er sprach von einem „Palast“, der auch den Münchner Veranstaltungsorten wie etwa der Olympiahalle Konkurrenz machen werde. Das habe mit dem Flughafengeschäft eigentlich nichts zu tun. „Der Flughafen wird langsam zu einer eigenen Stadt, das möchte ich nicht mittragen“, sagte Magerl, der lange Jahre Landtagsabgeordneter der Grünen war.

Zu befürchten sei auch, dass bei großen „Events“ Chartermaschinen einen Teil der Zuschauer hin- und nachts wieder wegbeförderten – „da sehe ich Druck auf die Nachtflugregelung“. Außerdem mache die Verkehrsanbindung Sorgen – die S-Bahn-Station sei meilenweit weg. „Da das Publikum wohl zum Großteil aus München kommen würde, dürften dann die meisten mit dem Auto kommen.“ Angeblich ist auch der Bau eines weiteren Parkhauses im Gespräch.

Auch Zierer, der seit Langem gegen die dritte Startbahn kämpft, warnte vor einem Anstieg von Inlandsflügen. „Es würde niemand verstehen, wenn jemand von Hannover nach München fliegt, nur um in der Halle AC/DC zu hören.“

Artikel 6 von 11