Josef Wackerle und seine Rolle in der Nazizeit

von Redaktion

Enkel kämpft um das Andenken des Bildhauers – Künstler hat Neptunbrunnen geschaffen

Garmisch-Partenkirchen – Um den Ruf und das Andenken des Garmisch-Partenkirchner Bildhauers und Malers Josef Wackerle (1880–1959) ist eine Diskussion entbrannt. Es geht um die Frage, welche Rolle er in der Zeit des Nationalsozialismus gespielt hat. Eine Ausstellung über den Künstler, der nie Mitglied der NSDAP war, aber von den Nazis hochgeschätzt wurde, darf im Museum Werdenfels erst wieder gezeigt werden, wenn die Fragen um Wackerles Leben geklärt sind. Doch nicht nur in seinem Geburtshaus in Garmisch-Partenkirchen waren Werke von ihm ausgestellt – auch in München ist Wackerle präsent. Er hat den Neptunbrunnen im Alten Botanischen Garten nahe dem Stachus geschaffen, auch die Figuren am Neuen Botanischen Garten in Nymphenburg. Dort kennt man die Debatte, sieht aber vorerst keinen Handlungsbedarf. Anders die Bayerische Landesstelle für nichtstaatliche Museen. Sie hatte 2018 – so lange zieht sich das Thema bereits – gefordert: ohne kunsthistorische Expertise zu Wackerles Vergangenheit keine Ausstellung im neuen Museum. Ihr Wort hat Gewicht. Sie bezuschusste den Umbau des Hauses. Dr. Lorenz Wackerle, Enkel des Künstlers, und dessen Frau Gisela sperren sich nicht gegen die Aufarbeitung. Für sie ist klar: Wackerle wird entlastet werden. Genau das wünschen sie sich, um jeden Zweifel an seiner Honorigkeit aus der Welt zu räumen. Die Frage ist: Wer soll die Expertise machen? Und wer soll sie bezahlen? Landrat Anton Speer und Museumsleiter Josef Kümmerle sehen die Familie in der Pflicht, eine Kostenschätzung auf den Tisch zu legen. An der Aufarbeitung beteiligen könnten sich, glaubt Kümmerle, auch die Stadt München oder die Porzellanmanufaktur Nymphenburg, deren Künstlerischer Leiter Wackerle war. Nun soll ein Gespräch endlich Bewegung in die Situation bringen. KATHARINA BROMBERGER

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