Vor 50 Jahren wurde die „Landshut“ getauft

von Redaktion

München – Am Flughafen München-Riem fand am 7. August 1970 ein großer Festakt statt. Eine hundertköpfige Delegation aus Landshut war angereist, die Musikkapelle spielte auf. Landsknechte, Edeldamen und Fahnenschwinger in historischen Kostümen begrüßten das Flugzeug, das den Namen „Landshut“ tragen sollte. Thea Deimer, die Frau des Landshuter Oberbürgermeisters Josef Deimer, goss bei einer feierlichen Zeremonie den Landshuter Ratsherrnsekt auf die Flugzeugnase.

Die Taufe jährt sich morgen zum 50. Mal. Und heute ist das Passagierflugzeug viel bekannter als damals. Denn sieben Jahre nach ihrer Taufe geriet die „Landshut“ in die Schlagzeilen der Weltpresse. Die ehemalige Lufthansa-Maschine wurde am 13. Oktober 1977 auf ihrem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt von palästinensischen Terroristen entführt. Ein Ziel der Aktion war es, die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) freizupressen.

Die Terroristen erschossen während eines mehrtägigen Irrflugs den Piloten Jürgen Schumann. GSG-9-Männer stürmten die Maschine in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober im somalischen Mogadischu. Dabei wurden drei der vier Geiselnehmer getötet. Der Vorfall gilt als eines der Schlüsselereignisse im sogenannten Deutschen Herbst, in dessen Verlauf der Terror der RAF seinen Höhepunkt erreichte. Nach der Erstürmung der „Landshut“ töteten sich die in Stammheim inhaftierten RAF-Anführer Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe selbst; Irmgard Möller überlebte schwer verletzt.

Zuletzt war die „Landshut“ als Frachtmaschine im brasilianischen Fortaleza eingesetzt. Auf Betreiben des damaligen Außenministers Sigmar Gabriel (SPD) wurde sie 2017 mit großem Aufwand nach Friedrichshafen am Bodensee in das Flugzeugmuseum der Dornier-Stiftung gebracht. Dort steht sie in einem Hangar. Es bestehe jedoch „keine Gewähr für die Existenz des ursprünglich verfolgten Standorts“, heißt es aus dem Kanzleramt. Die Stiftung kann den Fortbestand des Museums nicht garantieren. mm/kna

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