München – Der Sommer ist da – und es ist richtig heiß. Am Sonntag erreichten die Temperaturen am Alpenrand um die 30 Grad, am Untermain stiegen sie sogar auf bis zu 38 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Kein Wunder, dass die Strandbäder, Seen und Freibäder am Wochenende im Freistaat voll waren. Am Monte Mare Strandbad am Tegernsee etwa waren am Samstag alle 110 Plätze pausenlos belegt. Die Mitarbeiter mussten immer wieder neue Besucher abweisen, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Auch am Starnberger See drängten sich die Badegäste an den Stegen und im Wasser, versuchten dabei aber durchaus, die Abstandsregeln einzuhalten.
Der Andrang in den Ausflugsregionen bescherte den Rettern eine Menge Arbeit. An der Donau suchten Retter bei Osterhofen (Landkreis Deggendorf) am Sonntag in einer groß angelegten Aktion nach zwei Kindern, die im Wasser verschwunden waren. Ein sechsjähriges Mädchen wurde gerettet, ein vierjähriger Junge konnten nur noch tot geborgen werden.
Auf der Isar löste ein gekentertes Boot am Samstagnachmittag einen Großeinsatz aus. Ein Vater und seine beiden 11- und 14-jährigen Töchter kamen mit viel Glück mit dem Schrecken davon. Die Isar führt nach dem Starkregen immer noch viel Wasser, weshalb das Wasserwirtschaftsamt von Bootsfahrten abgeraten hatte. Der 39-Jährige Mann aus Bad Tölz war mit seinen Töchtern dennoch ins Boot gestiegen, doch an der sogenannten Isarburg kurz nach Lenggries kenterte das Boot. Die beiden Mädchen, die entgegen der geltenden Verordnung keine Schwimmwesten trugen, konnten sich ans Ufer retten. Der Mann wurde von der Besatzung eines nachfolgenden Bootes gerettet. Da waren die Retter aber bereits ausgerückt.
Ebenfalls am Samstag war eine 18-jähriger Puchheimerin mit ihrem Stand-up-Paddle auf der Amper unterwegs. Bei Grafrath (Kreis Fürstenfeldbruck) verfing sich ihre Sicherheitsleine an einem Baumstamm im Wasser. Die junge Frau wurde immer wieder unter Wasser gedrückt und verlor das Bewusstsein. Helfer konnten sie schließlich an Land ziehen. Dort wurde sie reanimiert und mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Laut Polizei ist sie auf dem Weg der Besserung.
„Die Amper fließt aktuell wahnsinnig schnell“, sagt Rainer Bertram vom BRK. Am Sonntag musste die Wasserwacht erneut mehrfach wegen gekenterten Booten ausrücken. Die Polizei prüfe deshalb nun eine fünftägige Sperrung der Amper zwischen Grafrath und Fürstenfeldbruck.
Der Drang nach draußen in den heißen Sommertagen macht nicht nur den Rettungskräften zu schaffen. Anwohner in den Ausflugsregionen haben am Wochenende erneut gegen die Verkehrsbelastung protestiert. Im Zugspitzdorf Grainau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) demonstrierten am Samstagvormittag mehrere hundert Menschen gegen den massiven Ausflugsverkehr. Unter dem Motto „Ausbremst is!“ machten sie auf der Zufahrtstraße zum Eibsee und zur Zugspitz-Seilbahn zwei Stunden lang ihrem Ärger über Staus, Lärm und von Ausflüglern hinterlassenen Abfall Luft. Mitinitiatorin Karina Winkler sagte: „Wir wollen eine Debatte anstoßen. Für die Lösung brauchen wir dann die Politik.“ Das Ziel sei eine Verkehrswende mit weniger Autoverkehr. Zumindest sollten Autos schon in Garmisch-Partenkirchen geparkt werden und die Touristen dann mit Bus oder Bahn zum Eibsee und zur Talstation der Seilbahn gebracht werden.
Laut Polizei verhielten sich die Demonstranten vorbildlich und beachteten Abstands- und Hygieneregeln. Im starken Reiseverkehr sei es aber zu Störungen gekommen. „Wir haben nach Aufhebung der Sperrung für die Demonstration einen enormen Zulauf Richtung Eibsee gehabt.“ Schon knapp eine Stunde später „mussten wir die Zufahrt wieder sperren; wie meistens an den schönen Tagen.“ Der Parkplatz sei restlos belegt gewesen. dg/va/imu/lby