Eine Hochzeit zu einer Zeit, als wenig viel wert war

von Redaktion

ALTE SCHRIFTSTÜCKE UND IHRE GESCHICHTE Christa Frischeisen hat die alten Rechnungen ihrer Eltern wiedergefunden

Planegg – Als Christa Frischeisen zu Hause in Planegg (Kreis München) neulich durch eine Mappe blätterte, in der sie all ihre Dokumente aufbewahrt, musste sie gewaltig schmunzeln. Denn plötzlich hatte sie vier sehr alte Rechnungen in der Hand, die sie längst vergessen hatte. Es sind nicht ihre eigenen – sondern die ihrer Eltern. Die beiden haben am 20. August 1934 geheiratet. Zu einer Zeit, in der noch mit Reichsmark gezahlt wurde. Und obwohl nur ein paar Zahlen und Notizen auf den Rechnungen zu lesen sind, konnte sich Christa Frischeisen gut vorstellen, wie die Hochzeit damals abgelaufen ist.

„20 Gäste waren eingeladen“, berichtet sie. Das weiß sie, weil der Fürstenfelderhof damals 20 Hochzeitsmenüs à 2,50 Reichsmark in Rechnung stellte. Doch selbst zu diesen Preisen musste man sich damals eine so große Hochzeit erst einmal leisten können. Ihre Eltern hatten mehr oder weniger keine Wahl. „Meine Mutter hatte sieben Schwestern“, erzählt Frischeisen. Natürlich waren alle eingeladen. „Mein Opa sagte damals zu meinem Vater: Wenn du eine nimmst, kriegst du zwei oder drei.“ Vier Schwestern blieben unverheiratet – und lebten ihr Leben lang bei der Mutter.

Auch eine Rechnung der Hochzeitsreise hat ihre Mutter immer aufgehoben: Fünf Tage im Hotel Kampenwand. Kosten: fünf Reichsmark pro Tag und Person. Und dann gibt es auch noch einen Beleg über die Gebühren der Trauung.

Alle paar Jahre hat Christa Frischeisen die alten Rechnungen mal wieder zufällig in der Hand – jedes Mal hält sie kurz inne und muss schmunzeln. „Das war eben eine ganz andere Zeit“, sagt sie. Eine Zeit, in der wenig viel wert war. Vielleicht hat ihre Mutter die alten Rechnungen deshalb immer aufgehoben und als Erinerung bewahrt. KATRIN WOITSCH

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