Gefährliche Bootstouren

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER UND GÜNTER HIEL

München – Als viele Ausflügler das Hitze-Wochenende gerade auf der Terrasse oder der Couch ausklingen ließen, mussten die Feuerwehrkräfte aus Pullach, Grünwald und München erneut ausrücken. Gegen 22.30 Uhr ging der Alarm am Sonntagabend. Drei Männer in Lebensgefahr. In einem Schlauchboot am Großhesseloher Wehr an der Isar im Kreis München.

Die Männer im Alter von 35 bis 43 Jahren waren bei Dunkelheit und starker Strömung nicht mehr rechtzeitig vor dem Wehr ans Ufer gekommen. Zum Glück waren die Schleusentore geschlossen, die Bootsfahrer konnten sich am Wehr festklammern. Weil ein Einsatz per Boot zu gefährlich für die Retter war, mussten die Männer per Leiter an Land geholt werden. Einsatzleiter Harald Stoiber zeigte sich zwar glücklich, dass der Einsatz erfolgreich zu Ende gebracht werden konnte. „Es macht mich aber wütend, dass einige Menschen so unverantwortlich ihr Freizeitvergnügen ausleben.“

Dieser Einsatz war der letzte, aber lange nicht der einzige am Wochenende auf Bayerns Flüssen. Immer wieder mussten Feuerwehr und Wasserwacht wegen gekenterter Boote oder in Not geratener Wassersportler ausrücken (wir berichteten). Die starken Regenfälle in Südbayern sind nun eine Woche her. „Viele Bootsfahrer denken, jetzt scheint die Sonne und alles passt wieder. Aber das täuscht“, sagt Roland Kriegsch, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim. „Die Isar ist keine Badewanne.“ Jede Bootstour auf dem Wildfluss sei anders. „In der Isar etwa schwimmt noch eine ganze Menge Totholz. Und sie führt weiter sehr viel Wasser.“ Bootstouren seien deshalb aktuell nicht zu empfehlen.

Die anhaltend starke Strömung liegt auch daran, dass immer noch Wasser aus dem Sylvensteinspeicher in die Isar abgelassen wird. „Wir müssen möglichst schnell wieder auf den normalen Sommerstau-Stand kommen, um für neue Unwetter und Hochwasserlagen gerüstet zu sein“, sagt Kriegsch. Deshalb wurden unmittelbar nach dem Starkregen vergangene Woche 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Isar abgelassen. Zum Wochenende hin wurde der Abfluss schon deutlich gedrosselt. Aber dennoch wird es voraussichtlich noch bis Donnerstag dauern, bis der Pegel im Sylvensteinspeicher wieder sein normales Level erreicht hat. Solange wird die Isar mehr Wasser als üblich führen. Und dann warten spätestens am Wochenende ja schon die nächsten Gewitter.

Für die Amper, auf der es am Wochenende ebenfalls zu mehreren Einsätzen kam, gilt das übrigens analog – obwohl dort der Mensch keinen Einfluss auf den Wasserzulauf nimmt. Dort dient der Ammersee als natürlicher Speicher, der das Wasser nach und nach wieder abgibt.

Auch Birgit Moosbauer, Vorsitzende der Wasserwacht Oberbayern, appelliert an die Ausflügler, ihre Boote trotz Hitze in den nächsten Tagen nicht aufs Wasser zu setzen. „Es ist ein Trugschluss, dass es jetzt wieder ruhiger zugeht auf den Flüssen.“ Schon der Blick aufs Wasser zeige das: „Viel Treibgut und eine trübe Farbe sind ein schlechtes Zeichen.“

Ihre Beobachtung der vergangenen Jahre: „Die Leute sind sorgloser geworden.“ Über die Gründe kann sie nur spekulieren. Aber eine gewisse „Vollkasko-Mentalität“ sei vereinzelt schon zu erkennen. Nach dem Motto: Einfach mal machen, im Notfall wird mir schon geholfen. Moosbauer bittet Bootsfahrer deshalb, auch an die Ehrenamtlichen zu denken, die sich bei den vielen Einsätzen oft selbst in Gefahr begeben müssen. „Wir kommen hier an unsere Belastungsgrenze.“ Ihr dringender Rat für jede Bootstour: „Ordentliche Schutzausrüstung ist Pflicht, gerade wenn Kinder mit dabei sind.“ Und zwar egal, wie gut man schwimmen kann.

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