Kaltenberg – Der kritische Punkt liegt ungefähr bei der Hälfte der Strecke. Es ist Nacht, nach rund 50 Kilometern zu Fuß sind die Beine schwer und die Sehnsucht nach einem Bett ist groß. „In der Mitte hätte ich beinahe aufgegeben“, erzählt Prinz Ludwig von Bayern. Doch der 38-Jährige ging weiter, einen Schritt nach dem anderen. „Irgendwann schaltet man auf Auto-Pilot.“ So schaffte er vergangenen Sommer die 100 Kilometer lange Strecke des Löwenmarsches von Schloss Kaltenberg (Kreis Fürstenfeldbruck) zu Schloss Hohenschwangau im Allgäu.
Am 5. September wird der Ururenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III. wieder die Wanderschuhe schnüren und sich mit vielen weiteren Unterstützern auf den Weg machen. Das Ziel: In 24 Stunden 100 Kilometer marschieren für den guten Zweck. Manche Teilnehmer gehen die gesamte Strecke mit, andere nur einen Abschnitt. Ludwig von Bayern hatte den Löwenlauf 2019 ins Leben gerufen, um Spenden zu sammeln für das Projekt „Learning Lions“ – ein Herzensanliegen von ihm.
Mit dem Geld wird ein neuer IT-Campus in der Halbwüste Turkana im Nordwesten von Kenia finanziert. „Es ist eine der ärmsten Regionen Afrikas“, sagt er. Wer dort aufwächst, hat kaum eine Zukunftsperspektive. Eben erst war Ludwig von Bayern wieder sechs Monate in Afrika. „Die Bauarbeiten für den neuen Campus gehen voran“, berichtet er. Dort werden junge Menschen ausgebildet, damit sie sich mit IT-Dienstleistungen wie Web- und Logodesign für Kunden aus aller Welt eine Existenz aufbauen können. Das Interesse ist groß, nur fünf bis zehn Prozent der Bewerber können aufgenommen werden. „Wir schauen bei der Auswahl nicht auf Schulabschlüsse, sondern nach Talent“, erklärt der Wittelsbacher. „Die Auszubildenden sollen eine realistische Chance haben, davon leben zu können.“ In Afrika, erzählt der Wittelsbacher, habe das Internet eine wichtige Stellung. „Sogar in den entlegensten Regionen, wo es keinen Strom und kein Wasser gibt, stehen Sendemasten für den Mobilfunk“, sagt er. „Wenn ein Nomade einem anderen Nomaden eine Ziege verkauft, dann wird über das Handy bezahlt.“ Das Potenzial müsse man nutzen – und dafür brauche es Spenden. „Denn wir wollen die Ausbildung dauerhaft kostenlos halten.“
Prinz Ludwig von Bayern hofft, beim Löwenmarsch heuer wieder die 100 Kilometer zu schaffen. „Es wird nicht einfach“, sagt er. Von Kaltenberg führt die Route entlang des Ammersees bis Dießen, weiter nach Wessobrunn bis zur Wieskirche und dann in Richtung Schloss Hohenschwangau. Bevor es losgeht, will der 38-Jährige noch trainieren. Seine Strategie ist, kontinuierlich zu marschieren. „Das Gefährlichste ist, längere Pausen zu machen“, erklärt er. „Wenn man sich hinsitzt, ist es ein Risiko, dass man nicht mehr hochkommt.“ Der Marsch wird anstrengend, aber er weiß: „Es wird auf jeden Fall etwas Gutes dabei herauskommen.“
Infos und Anmeldung
unter www.löwenmarsch.de