München – Der Leiter des ZOB, Christian Rettenbacher, reagiert auf die Frage fast verdattert. Nein, eine Corona-Teststation gibt es nicht. „Das ist auch nicht beabsichtigt.“ So viel Busverkehr gebe es derzeit auch nicht, fügt er an, vielleicht 30 Prozent des Aufkommens vor Corona. Aber immerhin: Täglich enden am ZOB Busse aus Zagreb, Vukovar (beide Kroatien), Pristina, Rahovec (beide Kosovo), Tirana (Albanien) oder auch Bukarest – alles Städte in Ländern mit hohen Corona-Infektionszahlen, teilweise sogar (wie Albanien, Kosovo und Rumänien) offiziell als Risikogebiet eingestuft. Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten gibt es eine Testpflicht – in der Theorie. Denn eine Corona-Teststation gibt es zwar am Hauptbahnhof und am Flughafen sowie an der Münchner Theresienwiese (nach vorheriger Terminbuchung), nicht aber am ZOB.
Warum nicht? „Es obliegt nicht uns, Teststationen zu errichten“, sagt Sprecherin Andrea Frauscher vom BRK. Sie verweist auf das Landesamt für Gesundheit.
Die SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann kann die Untätigkeit nicht verstehen: „Warum wird an den ZOB in München und Nürnberg für Fernreisebusse nicht getestet?“, fragte sie via Twitter. „Zu 15 Risikoländern besteht reger Reiseverkehr gerade auch mit Bus.“ Die vorhandenen Stationen bräuchten Entlastung.
Geschätzt jeder zweite Bus am ZOB ist vom Flaggschiff der Branche: Flixbus. Fahrgäste sind verpflichtet, während der Busreise eine Mund-Nasen-Maske zu tragen, schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Bei der Buchung würden die Fahrgäste darauf hingewiesen, „dass ein Corona-Test bei Einreise nach Deutschland aus einem Risikogebiet verpflichtend ist“. Außerdem merkt Flixbus an, dass auf allen Fahrten aus Risikogebieten Aussteigerkarten ausgefüllt würden, damit die Gesundheitsämter Infektionsketten im Ernstfall nachvollziehen und Reisende informieren könnten. Diese Karten, so Flixbus weiter, werden an die Gesundheitsämter übermittelt. Das Betreiben einer Corona-Teststation sei aber nicht Aufgabe von Flixbus.
SPD-Politikerin Waldmann verweist auf den Zentralen Busbahnhof in Berlin, der eine Corona-Teststation hat. In der Tat: „Der Vorteil für Sie besteht darin, dass Sie direkt vor Ort am ZOB dieser gesetzlichen Verpflichtung nachkommen können, ohne zusätzliche Wege- und Wartezeiten auf sich nehmen zu müssen“, wirbt der Berliner ZOB auf seiner Homepage. Und: „Der Test am ZOB ist kostenlos.“