Radlautobahn hat Verspätung

von Redaktion

VON DIRK WALTER UND SABINA BROSCH

Garching – Die Verantwortlichen waren des Lobes voll: Der Radverkehr, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am Freitag im hochsommerlichen Garching (Kreis München), habe Potenzial. Das Radl, sagte Bayerns Ressortchefin Kerstin Schreyer, sei „eine hervorragende Alternative“ für Pendler. Dann übergab Scheuer symbolisch einen Förderbescheid an die Vertreterinnen von Stadt München und Landkreis: Mit 2,3 Millionen Euro will der Bund die Planung einer Radlautobahn anschieben. Der Schnellweg – mit vier Metern Breite eineinhalb Meter breiter dimensioniert als ein herkömmlicher Radweg – soll von der Ingolstädter Straße im Münchner Norden bis zum TU-Gelände von Garching-Hochbrück führen. Ein Abzweig führt westlich nach Unterschleißheim. Mäße man den Radweg ab dem Münchner Stachus, wäre er insgesamt 23 Kilometer lang. Konkret zu bauen sind zehn Kilometer.

Soweit die Planung, die allerdings schon einige Jahre alt ist. Denn der Bau des Radwegs ist offenbar komplizierter als gedacht. Bereits 2015 gab es eine Potenzialanalyse für Radschnellwege für den Großraum München. Das Projekt im Münchner Norden stellte sich als das aussichtsreichste heraus. Mit großem Aufwand betrieb der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München eine Machbarkeitsstudie und veranstaltete Bürgerversammlungen. Das war 2017. Ein Abschlussbericht datiert vom 23. Januar 2018 – danach landete das Projekt beim Landratsamt München. Damals hieß es noch optimistisch, 2021 könne der Radweg fertig sein. Davon ist nun keine Rede mehr. Der Teufel steckt im Detail – es gibt Unstimmigkeiten, wie sich der Radweg durch das dicht besiedelte Garching schlängeln soll. Erst jüngst, im Juni, moserte der Planungsausschuss der Stadt Garching über die Trassenvorschläge. Die damalige Machbarkeitsstudie, kritisierte ein Stadtrat, sei „rausgeschmissenes Geld“.

Beim Pressetermin am Freitag äußerte sich Garchings zweiter Bürgermeister Jürgen Ascherl etwas freundlicher: Bis Ende des Jahres, wenn die Planungsleistungen vergeben werden sollen, werde man „die Stolpersteine der Trassenführung beseitigen“. Insgesamt soll der Radschnellweg 33,9 Millionen Euro kosten – eine Schätzung von 2017. Mittlerweile müsse man mit 15 Prozent Aufschlag rechnen, hieß es am Freitag.

Mit Glück könnte nächstes Jahr Baubeginn sein – auf dem Gebiet der Stadt München. Erst 2022 soll es im Landkreis München losgehen. Niemand traut sich im Moment, einen Termin für die komplette Fertigstellung zu nennen.

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