Das Esel-Zuhause ist bedroht

von Redaktion

VON CLAUDIA SCHURI

Pähl – Manipi hat sich sofort wohlgefühlt. Weil der Besitzer des grauen Zwergesels gestorben ist, kam er vor Kurzem auf die Eselfarm „Asinella“ in Pähl (Kreis Weilheim Schongau) – und verliebte sich gleich in Eselin Lucille. Doch ob die beiden dort ihr Leben auch in Zukunft genießen können, ist unklar. Denn der Abriss des Hofes droht.

Elf Esel, 28 Schafe, zwei Ziegen, fünf Murnau-Werdenfelser-Rinder, zwei Großpudel und 31 Bienenvölker gibt es dort. „Wir arbeiten wie auf einer kleinen Bilderbuchlandwirtschaft“, sagt Anahid Klotz, die den Hof gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard Gregori sowie ihrem Schwiegervater Sepp Gregori bewirtschaftet. „Bei uns haben es die Tiere gut.“ Der Hof besteht seit der Nachkriegszeit. Sepp Gregori hatte ihn 1980 gekauft und 1999 an seinen Sohn übergeben. Seit 2005 bietet Anahid Klotz auf ihrer Eselfarm außerdem zum Beispiel Wanderungen, therapeutische Kurse, Aktionen für Schulklassen und Kindergeburtstage mit den Tieren an.

Es war Ende März, als ein Schreiben vom Landratsamt in Haus flatterte. Die Gebäude müssten abgerissen werden, da sie sich im Außenbereich befinden. Dort dürfen nur privilegierte Betriebe bauen – und weil das Landratsamt den Hof nicht als landwirtschaftlichen Betrieb anerkennt, gilt er nicht als privilegiert. „Die mit der eigentlichen landwirtschaftlichen Betätigung erzielten Beiträge sind zu gering, um von einem landwirtschaftlichen Betrieb sprechen zu können“, sagt Landratsamtssprecherin Erika Breu. Zudem sei der Betrieb „eindeutig durch die gewerbliche Eselhaltung geprägt und nicht durch Schaf-, Rinder- und Bienenhaltung“. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geht laut einem Schreiben, das Klotz vorliegt, davon aus, dass es sich um eine Landwirtschaft im Nebenerwerb handelt. Die Eselfarm ist aus finanzrechtlichen Gründen als Gewerbe angemeldet.

Anahid Klotz und ihre Familie kämpfen um den Betrieb. „Der Hof wurde schon seit 1945 bewirtschaftet“, erklärt die 54-Jährige. Viele Gebäude stammen noch aus der damaligen Zeit. „Das immer von einem Schwarzbau gesprochen wird, verletzt uns schon“, sagt sie. Sie weiß, dass es im Staatsarchiv einen Bauantrag aus dem Jahr 1950 gibt. Doch: Ausgerechnet die Seite mit dem Genehmigungsstempel ist verschwunden. „Aber erfahrene Juristen haben uns gesagt, dass ein ungenehmigter Antrag gar nicht archiviert worden wäre“, betont Klotz.

Das Thema hat inzwischen hohe Wellen geschlagen. „Wir haben unglaublich viel Zuspruch bekommen“, sagt Klotz. Auch bei Schülern, die erfahren haben, dass die Esel vielleicht weg müssen, sei die Bestürzung groß gewesen: „Die Kinder haben teilweise geweint“, erzählt Klotz. „Sie lieben die Tiere.“

Bei einer Online-Petition für den Erhalt der Eselfarm haben über 7200 Unterstützer unterschrieben. Auch die Regierung von Oberbayern beschäftigt der Fall, außerdem wurde er an den Petitionsausschuss des Landtags weitergeleitet. Eine Stellungnahme liegt allerdings noch nicht vor. Vor dieser Entscheidung werde das Landratsamt „keine endgültigen Maßnahmen veranlassen“, teilt Sprecherin Erika Breu mit: „Wegen des laufenden Verfahrens möchten wir zudem nicht das Ergebnis vorweg nehmen.“

Bis dahin sind die Sorgen der Hofbetreiber groß: „Wir haben eine Riesen-Angst“, sagt Anahid Klotz. „An dem Hof hängen drei Menschenleben.“ Genauso wie das Schicksal von Manipi, Lucille und den anderen Tieren.

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