München – Die Hütte, sagt Christian Deser, ist sein großer Traum. Seit Mai betreibt er die Brunnenkopfhütte in den Ammergauer Alpen – doch gleich seine erste Saison hat ihm die Corona-Krise verdorben. Normalerweise könnten 30 Wanderer in seinem Matratzenlager übernachten. „Jetzt sind es nur zwei Haushalte oder eine geschlossene Gruppe mit bis zu zehn Leuten“, erklärt er. „Und spontane Übernachtungsgäste kann ich gar nicht aufnehmen.“ Stattdessen ist eine Vorab-Buchung Pflicht. Für Deser bedeutet das mehr Aufwand und weniger Einnahmen – zumal er nicht alle Essensplätze besetzen kann. „Wir sind eine kleine Hütte und haben nicht so viel Platz“, sagt er.
Die Situation sei gerade sehr schwierig, beklagt auch Matthias Schmidlin, Hüttenwirt auf der Oberen Maxlrainer Alm im Spitzingseegebiet. „Es ist eine absolute Katastrophe“, berichtet er. „Die Einbußen sind gewaltig.“ Er hatte doppeltes Pech: Im Februar hatte es auf seiner Alm auch noch gebrannt. Sein Glück sei immerhin, dass er kleinere Zimmer mit einer geringen Bettenzahl zur Verfügung habe. „Ich bin der Überzeugung, dass der Trend zu kleineren Zimmern mit eigenen sanitären Einrichtungen geht“, sagt er. „Das klassische Matratzenlager ist Geschichte.“ Schmidlin hofft auf staatliche Unterstützung für die Hüttenwirte. „Sonst werden es viele Hütten nicht überstehen“, warnt er.
Gestern besprach Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) die Probleme mit Vertretern des Deutschen Alpenvereins (DAV). „Wir brauchen Einzellösungen“, machte DAV-Präsident Josef Klenner deutlich. „Die Hütten brauchen ein Mindesteinkommen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.“ Die alpine Infrastruktur müsse erhalten werden.
Er sei „heilfroh“ darüber, betonte auch Aiwanger, die vielen bayerischen Hüttenwirte zu haben. Er zeigte sich deshalb offen für staatliche Unterstützung von Hüttenwirten in Not. „Wir müssen über finanzielle Ausgleichsmöglichkeiten nachdenken“, regte er an. Außerdem müsse man versuchen, die Matratzenlager „optimiert zu belegen“. Hilfreich könne zum Beispiel sein, die Lüftung zu verbessern und große Säle in mehrere kleine Einheiten zu unterteilen, damit mehr Leute auf einer Hütte übernachten können. Aiwanger sprach sich zudem erneut dafür aus, den Tourismus in Bayern stärker zu lenken. „Immer mehr Menschen drängen in die Berge“, sagte er. „Das müssen wir steuern.“ So könnte zum einen den Wirten geholfen werden und zum anderen zum Beispiel auch Konflikte zwischen Mountainbikern und Wanderern entschärft werden. „Wenn wir die Besucherlenkung im Alpenraum optimieren, kommen sich Wanderer und Mountainbiker nicht zu sehr in die Quere“, sagte Aiwanger. Dabei setzt er vor allem auf den Ausflug-Ticker, der in Echtzeit über den Ansturm an den Touristenorten informiert.
Wirt Matthias Schmidlin hätte einen weiteren Wunsch: „Die Behörden sollten es einfach ermöglichen, die Hütten umzubauen“, sagt er. „Wir brauchen einfache, kleinere Zimmer mit eigenen Sanitäreinrichtungen.“ Er plant eine Erweiterung seiner Hütte – und hofft auf eine schnelle Baugenehmigung.
Aufgeben kommt auch für Christian Deser nicht infrage. Trotz aller Schwierigkeiten hat er es nicht bereut, sich als Hüttenwirt selbstständig gemacht zu haben: „Die Gäste sind gut drauf, sehr dankbar und halten sich gut an die Regeln“, sagt er. „Jetzt drücke ich die Saison noch durch und hoffe, dass es nächstes Jahr besser wird.“