München/Scharnitz – Die Kaltwasserkarspitze (2733 Meter) ist einer der schwierigsten Berge in der Karwendelkette. Er wurde vor fast genau 150 Jahren erstmals bestiegen – der berühmte Erstbesteiger Hermann von Barth, der diesen Gipfel am 15. August 1870 bezwungen hat, nannte ihn eine kühne „Dolchklinge“, die steil in den Himmel ragt. Eine 47-jährige Münchnerin war am Donnerstag mit einer anderen 40 Jahre alten Begleiterin zur Kaltwasserkarspitze aufgebrochen. Die beiden Frauen waren laut Tiroler Polizei mit Fahrrädern bis zur Kastenalm gefahren und von dort über den Großen Heißenkopf und die Sägezähne zum Gipfel geklettert. Gegen 13.30 Uhr machten sich die Frauen nach einer Pause wieder an den Abstieg. Beim Überklettern eines Felsturmes am Grat stürzte die Frau über eine etwa 70 Meter lange Steilrinne rücklings ab und zog sich dabei tödliche Kopfverletzungen zu. Ihre 40-jährige Begleiterin, ebenfalls aus München, sowie eine weitere Bergsteigerin wurden mit einem Notarzthubschrauber geborgen und nach Scharnitz geflogen.
Unfälle passieren an diesem Berg fast immer an der gleichen Stelle – nämlich dort, wo Kletterer eine ausgesetzte scharfe Schneide direkt überklettern, anstatt sie seitlich (ebenfalls nicht leicht) zu unterqueren. Erst am 24. Juli war ein 38 Jahre alter Münchner an der Kaltwasserkarspitze in den Tod gestürzt, als er im schottrigen Gelände eine Gratüberschreitung vom Großen Heißenkopf zum Gipfel unternehmen wollte. Er wurde erst nach Tagen gefunden. dw/ban