„Wir bleiben zu Hause!” Das Logo am Bildschirmrand hat uns täglich zur Vorsicht gemahnt. Kein Besuch, ein kurzer Gruß zum Nachbarn über den Zaun, Winken am Fenster. Mit Menschen, die uns am Herzen liegen, nur telefonieren zu können, war gewöhnungsbedürftig. An das Tragen einer Maske haben wir uns schneller gewöhnt. Das Lächeln dahinter ist leider unsichtbar geworden. Aber uns bleiben ja noch die Augen, und sie sind bekanntlich der Spiegel der Seele.
Es sind seltsame Zeiten, zweifellos. Doch wie heißt es bei Christian Morgenstern so schön: „Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser Vorstellung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein.“ Endlich wieder Freunde begrüßen und bewirten zu dürfen: Nach „Entzugserscheinungen“ stimmte mich das richtig euphorisch. Eine schöne Atmosphäre zu zaubern für sechs bis acht Personen mit dem gebotenen Abstand? Kein Problem, einfach den Esstisch auf die entsprechende Größe verlängern. Egal, dass die „gute Stube“ jetzt eigentlich nur aus Tisch und Stühlen besteht.
„Freundschaft gehört nicht nur zum Notwendigsten in unserem Leben, sondern sie ist einfach auch schön“, sagte schon Aristoteles. Und darum sollen es meine Gäste eben auch richtig schön haben. Eine gute Gelegenheit, um wieder einmal nachzusehen, welche Schätze sich im Schrank verstecken. Festtagsservice an einem ganz normalen Abend – warum nicht?
Wie viel Spaß macht es, einen Tisch einzudecken! Mit gefalteten Servietten, möglichst aus Stoff, zum Geschirr passenden Blumen, Kerzen (es muss ja kein mehrarmiger Leuchter sein), Gläser, die blitzen. Und natürlich kommt das Essen keinesfalls vom Lieferservice, sondern gekocht wird gute alte Hausmannskost. Dekoration – sie darf auch auf den Tellern nicht fehlen. Wichtig ist mir mein Kräuterbankerl. Blüten von Minze, Kapuzinerkresse, Schnittlauch, Gänseblümchen. Man kann damit kleine Kunstwerke zaubern. Das Auge isst bekanntlich mit.
Übrigens frage ich jeden meiner Gäste natürlich im Vorfeld: Was magst du nicht, was verträgst du nicht? Früher lautete die Antwort meistens nur: Knoblauch! Aber jetzt stehen – vor allem bei den Herren – Koriander, Ingwer und Kreuzkümmel nicht gerade hoch im Kurs.
In Krisen ist Fantasie gefragt. Einfach das Beste aus dem machen, was man hat. In meinem Umfeld kamen Talente, die im Verborgenen schlummerten, zum Vorschein. Virtuosinnen am Kochherd oder Einzug in den Tortenhimmel. Meine Nachbarin, die nie Kuchen backen wollte, ist nun eine perfekte Konditorin.
Wer seine Kochkünste auffrischen wollte, meldete sich in der Kochschule an. Wie mir Starkoch Alfons Schuhbeck verriet, klappt es problemlos: Acht bis zehn Teilnehmer sind eifrig bei der Sache – mit Abstand, der irgendwie auch mit Anstand zu tun hat.
Aber auch der schönste Abend geht irgendwann zu Ende, natürlich mit der obligatorischen Frage nach dem Absacker: Ein Schnapserl vielleicht? Kürzlich bat einer meiner Gäste um ein Glas Milch und lieferte gleich die Erklärung: „Alle, die ein Steuer lenken, immer daran denken, Alkohol beschert dir Haft, Milch dagegen Mut und Kraft.“
In diesem Sinn –
herzlich
Ihre Carolin