Landshut/Memmingen – Die Maske ist Pflicht, auf den Schulhausgängen ebenso wie im Unterricht – dieser Grundsatz gilt ab heute an allen weiterführenden Schulen Bayerns. Zwei Wochen lang, bis zum 18. September, müssen Mittel- und Realschüler sowie Gymnasiasten auch während der Schulstunden eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Doch noch vor dem Schulstart gibt es einige Regionen in Bayern, wo sich weitere Verschärfungen abzeichnen. In Landshut tagte gestern der Krisenstab – am Sonntag hatte die Stadt die kritische Marke von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern gerissen.
Eigentlich tritt in so einem Fall Stufe 3 des Corona-Krisenszenarios in Kraft, das das bayerische Kultusministerium vergangene Wochen veröffentlichte. Die Stufe 3 sieht vor, dass in den Schulen wieder ein Mindestabstand von 1,5 Meter gilt. Weil das im Klassenzimmer mit voller Besetzung nicht einzuhalten ist, müssten alle Klassen geteilt und im Wochenwechsel wieder Präsenzunterricht und Schule daheim stattfinden.
Doch Landshut geht einen anderen Weg. Nach einer Unterredung mit Gesundheits- und Schulamt ordnete die Stadtverwaltung für diese Woche eine Maskenpflicht auch während des Unterrichts in den Grundschulen an. Damit müssen die Einschulungsveranstaltungen für die Erstklässler mit Maske stattfinden – auch für Eltern und Lehrer sei das Pflicht. Dies sei aber auch „ausreichend“, erklärte Landshuts 3. Bürgermeisterin Jutta Widmann, die Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) während seines Urlaubs gestern vertrat. Ein Wechsel in den Heimunterricht sei „derzeit nicht nötig“.
Vorläufig gar keine Auswirkungen auf die Schulen hat die Grenzwertüberschreitung hingegen in der Stadt Memmingen. Dort lag die Sieben-Tage-Inzidenz gestern bei 68,44. Weil es sich bei den Infizierten „ausschließlich“ um Reiserückkehrer aus Risikogebieten handele, die auch noch im Urlaub miteinander Kontakt hatten, seien „keine Einschränkungen für die Allgemeinheit notwendig“, betonte Oberbürgermeister Manfred Schilder (CSU). Wie auch in Landshut müssen die Infizierten mit ihren Kontaktpersonen in Quarantäne. Die Stadt Landshut kündigte an, diese „künftig noch engmaschiger“ zu kontrollieren.
In Oberbayern lagen die Zahlen gestern zum Teil weit unter dem Grenzwert (siehe Grafik) – auch in München. Einzige Ausnahme ist die Stadt Rosenheim (52,11), wo aber ähnlich wie in Memmingen ebenfalls von weiteren Maßnahmen abgesehen wurde. Es gebe keine Auswirkungen auf den Schulstart oder ds öffentliche Leben, hieß es zur Begründung.
Dass die Städte unterschiedliche Schlüsse aus den Grenzwert-Überschreitungen ziehen, hält das Kultusministerium für legitim. „Die Entscheidung fällt vor Ort“, betonte ein Sprecher des Kultusministeriums. Der Drei-Stufen-Plan und die dort genannten Schwellenwerte seien nur eine Orientierungshilfe für die Behörden vor Ort.