München/Hinterriß – Am frühen Freitagmorgen war ein 40-jähriger Münchner zu einer zweitägigen Bergtour im Karwendelgebirge aufgebrochen. Der Pasinger wollte von der bei Ausflüglern beliebten Eng Alm im Hinterriß kurz hinter der bayerischen Grenze aus erst den Hochglück und über einen Grat den Kaiserkopf besteigen. Doch als er sich am Samstagabend nicht wie vereinbart bei seiner Ehefrau meldete, rief die in München die Polizei.
Den ganzen Sonntag über suchten bis zu 40 Bergretter, Feuerwehrmänner und die Alpinpolizei nach dem Vermissten, der ohne Handy unterwegs war. Doch wegen der dichten Wolkendecke konnte der Rettungshubschrauber nicht starten. Die Suche in dem rund 30 Quadratkilometer großen Gebiet blieb erfolglos, die Retter mussten abbrechen. Gestern zogen die Suchtrupps erneut los, diesmal mit Unterstützung des Helikopters. Und tatsächlich sichtete die Besatzung im Bereich des Ödkars einen herrenlosen, blauen Wanderrucksack.
„Nach Rücksprache mit der Ehefrau war klar, dass es der Rucksack des Vermissten war“, sagt Alfred Wallenta von der Bergrettung Schwaz. Die Retter seilten sich ab und fanden den Mann schließlich etwa 150 Meter tiefer zwischen den Bergkiefern mit seiner Biwakausrüstung. „Er war unverletzt, aber nach drei Tagen am Berg natürlich komplett erschöpft“, sagt Wallenta. Viel sei deshalb nicht in Erfahrung zu bringen gewesen. Aber die Bergretter gehen davon aus, dass der Mann sich auf der anspruchsvollen Tour verstiegen hatte. Der 40-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht. „Er hat einen großen Schutzengel“, sagt Wallenta. Offenbar hatte der Mann den Rucksack bewusst als Hinweis auf seine Position zurückgelassen. „Das hat ihm wohl das Leben gerettet.“ dg