Südtirol klagt gegen Naturschützer

von Redaktion

Nach Pestizid-Kampagne: Prozess gegen Umweltinstitut München

München/Bozen – In Bozen starten am Dienstag zwei Prozesse gegen den österreichischen Buchautor Alexander Schiebel sowie den Agrarreferenten des Münchner Umweltinstituts Karl Bär aus Holzkirchen (Kreis Miesbach). Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden üble Nachrede zum Schaden der Südtiroler Landwirtschaft vor. Der damalige Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft, Arnold Schuler, hatte Strafanzeigen gestellt. Über tausend Südtiroler Landwirte schlossen sich den Anzeigen an.

Hintergrund ist eine Kampagne des Umweltinstituts aus dem Jahr 2017, bei der unter anderem am Münchner Karlsplatz mit einem großen Plakat auf den Einsatz von Spritzmitteln im Südtiroler Obstbau aufmerksam gemacht wurde, die beliebte Urlaubsregion wurde darauf als „Pestizidtirol“ bezeichnet. Im selben Jahr war das Buch „Das Wunder von Mals“ von Alexander Schiebel erschienen, in dem der Autor über ein Dorf im Vinschgau schreibt, das sich zur ersten pestizidfreien Gemeinde Europas erklärt hat. In dem Buch prangert der Autor auch das Verhalten der Südtiroler Obstbauern an. Angezeigt wurden nach Angaben des Umweltinstituts auch der Geschäftsführer des oekom-Verlags, in dem das Buch erschienen ist, sowie Vorstandsmitglieder des Umweltinstituts. Bei ihnen entscheide sich im Oktober, ob es zur Anklage kommt.

Karl Bär hält die Vorwürfe für Schikane. „Da geht es primär darum, Kritiker mundtot zu machen.“ Eine europäische Ermittlungsanordnung hat die Oberstaatsanwaltschaft München I seinen Angaben nach abgelehnt – mit der Begründung, dass sein Vorgehen durch die Meinungsfreiheit gemäß der europäischen Grundrechte-Charta geschützt sei. Ob das italienische Gericht das genauso sieht, ist aber offen. Den Angeklagten drohen bei einer Verurteilung Geldstrafen und hohe Schadenersatzforderungen. mm/mar

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