München – Der Heulton dauert eine Minute, ist laut, schwillt ab und wieder an – und soll die Bürger vor Gefahren warnen. In vielen Orten Bayerns heulen am morgigen Donnerstag um elf Uhr die Sirenen. Grund zur Sorge besteht aber nicht: An diesem Tag ist ein bundesweiter Warntag. „Der Probealarm dient dazu, die Funktionsfähigkeit des Warnsystems zu überprüfen“, so das bayerische Innenministerium.
Während Bayern seine Sirenen normalerweise zweimal jährlich testet, findet der gemeinsame Aktionstag von Bund und Ländern heuer zum ersten Mal statt. Künftig wird er immer am zweiten Donnerstag im September wiederholt. Der Test ist unabhängig von der Corona-Krise. „Aber Corona zeigt, wie schnell eine Krisenlage entsteht“, sagt Marianne Suntrup, Sprecherin beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Eine Pandemie, eine Naturkatastrophe, ein Terroranschlag, ein Chemieunfall oder ein anderer Notfall – all das kann in Deutschland passieren. Trotzdem betont Suntrup: „Wir wollen keine Panik verbreiten, aber die Bürger aufklären, wie sie sich richtig verhalten.“ Das gelte auch für kleinere Unglücke wie Unwetter oder einen Stromausfall. „Das Wichtigste ist, ruhig und besonnen zu bleiben und sich zu informieren“, sagt sie. Denn sonst könne aus einem kleinen Problem schnell ein großes werden: „Wenn man zum Beispiel nicht weiß, dass man den Strom abschalten muss, bevor man in einen vollgelaufenen Keller geht, wird es sehr gefährlich.“
Bei größeren Unglücken ist es wichtig, dass die Bürger Durchsagen und Anweisungen beachten. Nicht überall ertönen die Sirenen. In der Stadt München zum Beispiel bleibt es still. „Wo es keine Sirenen gibt, kann in einem Gefahrenfall zum Beispiel die Polizei mit Lautsprechern durch die Straßen fahren“, erklärt Innenministeriumssprecher Oliver Platzer. Wichtig sei auch die Information über Medien. Der Bayerische Rundfunk sowie weitere Rundfunksender beteiligen sich an dem Warntag. Ein Tipp von Suntrup: „Es ist gut, wenn man ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbel-Radio zu Hause hat, falls einmal der Strom ausfällt.“ Auch das Autoradio sei in solchen Fällen hilfreich.
Suntrup rät zudem dazu, sich eine Warn-App auf das Handy zu laden. „Über die App bekommt man weitere Informationen und Verhaltenstipps“, erklärt sie. Das BBK stellt die Notfall-Informations- und Nachrichten-App „NINA“ kostenlos zur Verfügung. Seit Corona ist deren Nutzung um rund 25 Prozent gestiegen. Im März waren es 6,1 Millionen Nutzer, inzwischen sind es 7,6 Millionen. Weitere Warn-Apps sind Katwarn sowie BIWAPP, das regionale Warnsystem einiger Kommunen. „Ziel ist, die Bürger auf so vielen Kanälen wie möglich zu erreichen“, betont Marianne Suntrup.
Und: Die Bürger dafür zu sensibilisieren, selbst vorzusorgen. Statt sich wie zu Beginn der Corona-Pandemie bei Hamsterkäufen mit Unmengen an Toilettenpapier und Nudeln einzudecken, solle man rechtzeitig einen Vorrat an Nahrung und Wasser für zehn Tage anlegen. „Am besten Lebensmittel, die notfalls kalt gegessen werden können“, sagt Suntrup. Auch Hygieneartikel, lebenswichtige Medikamente und eine Lichtquelle solle man für den Ernstfall bereithalten.
Morgen aber wird dann bald ein einminütiger Dauerton erschallen – Entwarnung.
Informationen
zur Krisenvorsorge gibt es unter www.bbk.bund.de