Die Geschichten hinter den Blutergüssen

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

München – Carolina Trautner steht vor einem bunten Bild mit Zeichentrickfiguren, daneben sitzt ein lächelnder Teddy. Der Raum könnte das Wartezimmer einer Kinderarztpraxis sein. Nur dass die Kinder, die hier auf eine Untersuchung warten, von Rechtsmedizinern untersucht werden – weil der Verdacht im Raum steht, dass sie misshandelt wurden. Bayerns Kinderschutzambulanz wird seit neun Jahren vom Sozialministerium gefördert. Die Ministerin ist gekommen, um sich persönlich ein Bild von der Arbeit zu machen, die die Rechtsmediziner hier leisten.

Die Leiterin Elisabeth Mützel und ihre Kollegen hören viele Geschichten zu Blutergüssen oder Prellungen. Manchmal stimmen sie, manchmal sind sie erfunden. Die Aufgabe der Rechtsmediziner in der Kinderschutzambulanz ist es, herauszufinden, was Wahrheit und was Lüge ist. Sie schauen genau hin, dokumentieren und interpretieren. „Wir sind keine Ermittler“, betont Mützel. „Wir nehmen objektiv auf, was uns mitgeteilt wird und prüfen, ob das plausibel ist“, erklärt sie, während sie Trautner durch die Untersuchungsräume führt.

Mützel und ihren Kollegen ist immer bewusst, dass Schicksale an ihrer Arbeit hängen. Dass sie sich keine Fehleinschätzungen erlauben dürfen. Doch nicht immer ist es einfach, Verletzungen zweifelsfrei einzuordnen, sagt sie. Pro Tag prüfen die Rechtsmediziner durchschnittlich einen Fall, sichern Beweise und stellen Diagnosen. Dazu kommen knapp 500 telefonische Beratungen pro Jahr. Rund um die Uhr können sich Ärzte und Jugendämter an die Rechtsmediziner wenden – persönlich oder telefonisch, aber auch online über das Portal Remed Online. Dort können sie Fälle anonymisiert schildern, Bilder oder Röntgenaufnahmen hochladen und um eine Einschätzung bitten.

„Die Zahl der Fälle ist während der Lockdown-Zeit nicht gestiegen“, berichtet Mützel. Auch die Jugendämter hätten keine eklatant höheren Zahlen gemeldet. „Die Kitas sind ja seit Anfang Juli wieder geöffnet. Wir hätten längst bemerkt, wenn es zu mehr Fällen von häuslicher Gewalt gekommen wäre.“ Allerdings melden die Beratungsstellen einen Anstieg der Anfragen. Das erklärt sich Trautner damit, dass auf dieses Angebot im vergangenen halben Jahr verstärkt hingewiesen wurde.

„Sie leisten hier sehr wertvolle Arbeit“, dankte Traunter Mützel und deren Team. Auch die Online-Fortbildung lobte sie. Sensibilisierung und Qualifizierung seien das A und O für einen effektiven Kinderschutz, so die CSU-Politikerin. Sie kündigte an, dass sie sich dafür stark machen werde, dass die Förderung fortgesetzt wird. Speziell bei Fällen von seelischer Gewalt wollen die Kinderschutzambulanz und das Ministerium künftig noch mehr Hilfe anbieten. Erste Ideen gibt es bereits, sagte Trautner. Sie seien allerdings noch nicht spruchreif.

Kontakt

Die Kinderschutzambulanz ist unter der Nummer 089/218073011 erreichbar.

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