Appell der Bauern: „Esst mehr Pommes!“

von Redaktion

Maisach – Johannes Müller steht in seiner Lagerhalle, hinter ihm türmt sich eine Wand aus Kartoffeln fünf Meter hoch bis unter die Hallendecke. 700 Tonnen, Sorte Innovator, die ganz dicken Dinger. „Die sind perfekt für die Pommes-Produktion“, sagt Müller. Der 35-Jährige bewirtschaftet den „Romyhof“ in Maisach (Kreis Fürstenfeldbruck). Hier wird mit modernster Technik die Grundlage gelegt für die Pommes frites, die später als sättigende Beilage mit Ketchup und Mayo auf dem Teller landen.

Familie Müller steckt gerade mitten in der Erntezeit. Der zweireihige Kartoffelvollernter läuft in diesen Tagen auf Hochtouren. GPS-gesteuert sammelt er in vier Stunden etwa die Fläche eines Fußballfeldes auf dem Kartoffelacker ein. Noch ungefähr drei Wochen, dann will Johannes Müller seine Kartoffeln alle in der neuen Lagerhalle haben. Trockengeblasen, heruntergekühlt auf etwa acht Grad und regelmäßig mit frischem Sauerstoff versorgt – so halten sie bis Juni oder sogar Juli des kommenden Jahres. Dazu grüne Beleuchtung von der Decke. Das verhindert, dass die Kartoffeln selbst grün werden. Denn weißes Licht fördert das Wachstum.

Eigentlich wäre heuer ein gutes Jahr für die Kartoffelbauern. Die Witterung war gut, es werden überdurchschnittliche Erträge erwartet. Die Pflanzen bildeten zwar etwas weniger Knollen als sonst, dafür wurden die dann aber richtig gut versorgt und schön groß. Wären da nicht die Corona-Krise und ihre Folgen, die bis auf den Kartoffelacker reichen.

Denn vor allem in der Pommes-Herstellung ist der Absatz heuer massiv eingebrochen. Wirtshäuser dicht, Sportstadien leer, Volksfeste abgeblasen. Da konnte selbst die höhere Nachfrage im Supermarkt nichts mehr retten. Deshalb haben sich Vertreter der Branche von Bauernverband und aus der Kartoffelvermarktung gestern am Hof von Johannes Müller getroffen, um für ihr Produkt zu trommeln. „Esst Pommes, das hilft den Landwirten“, appelliert Konrad Zollner, der Vorsitzende der Bayerischen Kartoffelbauern.

Wie stark Corona den Markt durcheinandergewirbelt hat, zeigen die aktuellen Preise. Während der Tagespreis für 100 Kilo Kartoffeln im vergangenen Jahr noch zwischen 15 und 20 Euro betrug, liege er aktuell bei drei Euro, sagt Josef Färber von der Vermarktergesellschaft Kartoffel-Centrum Bayern. Allerdings haben die Kartoffelbauern in der Regel für einen großen Teil ihrer Ernte vorab einen vertraglichen Abnehmer. Johannes Müller etwa liefert an den größten europäischen Kartoffelverarbeiter, das niederländische Unternehmen Aviko, das in seinem Werk in Rain am Lech (Kreis Donau-Ries) sämtliche Variationen von Pommes, vor allem für den Großhandel, produziert. Dort aber stand heuer bereits für sechs Wochen das Werk still. „Weil unsere Kühlhäuser alle voll waren“, sagt Betriebsleiter Otto Wenninger.

Deshalb setzt man in Rain am Lech vermehrt auf Spezialprodukte, die etwa bei Foodtrucks verkauft werden. Der neueste Trend in der Pommes-Fabrik: das Coating. Dabei werden die Pommes mit einer Masse aus Stärke und Gewürzen ummantelt. Durch diese Schicht sollen die Pommes beim Frittieren knuspriger werden und länger heiß bleiben. Hier kommt Müllers „Innovator“-Kartoffel ins Spiel. Denn die wird besonders groß und schön oval – perfekt für lange Pommes-Spalten. Jetzt müssen nur die Fritteusen wieder angeworfen werden. Das ist die große Hoffnung der Kartoffelbauern. DOMINIK GÖTTLER

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