München/Wien – Schon Sänger Wolfgang Ambros wusste es: „Schifoan is des leiwaundste, wos ma sich nur vurstelln kann.“ Die gute Nachricht für alle Wintersport-Fans: Auch heuer müssen sie trotz der Corona-Pandemie nach derzeitigem Stand nicht auf Pisten-Gaudi verzichten. Eine normale Saison wird es aber nicht. Damit die Skigebiete nicht zu Corona-Hotspots werden, sind Hygieneregeln nötig.
„Wir sind gerade in engster Abstimmung mit den Behörden“, betont Klaus Schanda von der Bayerischen Zugspitzbahn. „Wir gehen davon aus, dass wir viele Sicherheitsmaßnahmen aus dem Sommer übertragen können.“ Dazu zählen zum Beispiel Abstand, Maskenpflicht in Bahnen, Gebäuden und Wartebereichen und eine Zuweisung von Plätzen in Gaststätten. Auch bei den vier Alpen-Plus-Gebieten Spitzingsee-Tegernsee, Sudelfeld, Wallberg und Brauneck werden die Ski- und Snowboardfahrer in den Kabinen und Liften sowie bei dem Anstehen einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Eine Begrenzung bei der Beförderung der Fahrgäste gebe es derzeit nicht, sagt Sprecherin Antonia Asenstorfer: „Das kann sich aber täglich ändern“, betont sie. Steigt das Infektionsgeschehen, könnte es neue Auflagen geben.
Grenzüberschreitend zusammengearbeitet wird bei den Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen, die zum Teil in Bayern und zum Teil in Vorarlberg in Österreich liegen. „Wir werden Mund-Nasen-Schutz an den Liften kostenfrei zur Verfügung stellen, wenn jemand keinen dabei hat“, erklärt Sprecher Jörn Homburg. Après-Ski wird es auf beiden Seiten der Grenze nicht geben. „Aber das ist sowieso nicht unser Schwerpunkt, wir sind ein Familienskigebiet“, sagt Homburg.
Einen schönen Skitag mit einer Après-Ski-Party ausklingen zu lassen, wird in Österreich sowieso nicht wie gewohnt möglich sein. „Ski-Vergnügen ja, aber ohne Après-Ski“, sagte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), als er gestern die Maßnahmen für den Wintertourismus vorstellte. Im März erlangte der Tiroler Skiort Ischgl weltweit Berühmtheit, weil sich dort unzählige Menschen mit dem Coronavirus angesteckt und es ahnungslos in ihren Heimatländern verbreitet hatten. So ein Fall soll sich auf keinen Fall wiederholen. Gedrängtes Stehen ist in Bars und auf Terrassen nicht erlaubt, Essen und Getränke dürfen nur im Sitzen konsumiert werden.
Neben dem Verbot des Ausschanks für stehende Gäste, das schon seit einigen Wochen für alle Bars gilt, halten sich die offiziellen Vorschriften aber in Grenzen. Beim Anstehen für Seilbahnen gilt ein Meter Abstand und Maskenpflicht, auch in Gondeln muss Mund-Nasen-Schutz getragen werden, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Skischulen wird empfohlen, höchstens zehn Schüler pro Gruppe zu unterrichten und die Gruppen nicht zu mischen. Außerdem sollen Skilehrer und Reiseleiter kostenfrei auf das Virus getestet werden können.
Egal ob in Bayern oder Österreich: Überall hoffen die Liftbetreiber, dass sie die Saison ohne Lockdown durchziehen können. Ansonsten wollen sie den Saisonkartenbesitzern entgegenkommen. Bei der Zugspitze wird eine Schließung mit einem Rabatt beim Kauf der nächsten Dauerkarte berücksichtigt und bei den Alpen-Plus-Gebieten gibt es einen Teil des Kaufpreises zurück, wenn in einem vollen Monat in keinem Gebiet ein Skibetrieb möglich ist. Auch wer in Oberstdorf wegen Corona-Maßnahmen seine Saisonkarte nicht an mindestens 20 Tagen nutzen konnte, bekommt eine Rückerstattung. gab/cla/lby