Abreisewelle in Tirol

von Redaktion

VON CHRISTINA PETERS

Innsbruck/Bregenz – Abreisen und Stornierungen deutscher Urlauber machen dem Westen Österreichs große Sorgen. Die Reisewarnungen, die Deutschland vor einer Woche erst für das Bundesland Vorarlberg und dann für Tirol ausgesprochen hat, zeigten sofort Auswirkungen – Wirtschaftsvertreter warnen vor Existenznöten.

„Wir brauchen dringend den deutschen Markt. Ein Tourismus mit Reisewarnung wird nicht stattfinden können“, sagte der Tourismusvertreter in der Tiroler Wirtschaftskammer (WKÖ), Mario Gerber. „In sämtlichen Destinationen sind Abreisen da, in allen Betrieben, überall“, sagte Vorarlbergs WKÖ-Tourismussprecher Markus Kegele. „Es gibt viele Orte, die haben null Infizierte, und trotzdem reisen die Gäste ab. Das ist eigentlich der Schaden.“

Für die beiden Bundesländer ergibt sich mit der Reisewarnung eine Zwickmühle: Die Pandemie will nach den Massenansteckungen im Tiroler Skiort Ischgl niemand verharmlosen. Doch die Ansteckungen, die die Zahlen auf den für Deutschland kritischen Sieben-Tages-Schnitt von über 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner bringen, finden derzeit kaum in den ländlichen Regionen statt. Auch Hotels in Teilen von Tirol, die keine Fälle registriert hätten, berichteten von 50 Prozent Stornierungen, sagte Gerber. „Das ist für uns ein ganz schwerer Schlag.“

Deutsche machen einen sehr großen Teil der Urlauber der beiden Bundesländer aus. In der Wintersaison 2018/2019 kam die Hälfte aller Tirol-Besucher aus Deutschland, davon ein Drittel aus Bayern. Auch in Vorarlberg machten Deutsche deutlich mehr als die Hälfte der Ankünfte aus, davon wiederum gut die Hälfte aus Baden-Württemberg und Bayern.

In beiden Ländern wird nun gehofft, dass sich die Ansteckungszahlen so weit erholen, dass die Reisewarnung zur Wintersaison wieder fallen könnte. „Beim Winter merken wir eine extreme Nachfrage, aber keine Buchungen. Die Gäste rufen an, informieren sich, aber die Buchungen bleiben aus, weil zu viel Unsicherheit herrscht“, beschrieb Gerber die Lage in Tirol. Für Vorarlberg berichtete Kegler schon von Stornierungen für den Winter. Er hofft nun auf eine Wirkung der Maßnahmen: in Vorarlberg, Tirol und Salzburg wurde unter anderem eine Sperrstunde von 22 Uhr eingeführt.

Tatsächlich waren gestern in Vorarlberg nur noch 397 Menschen infiziert, am Mittwoch vor einer Woche waren es noch 460 positiv getestete Menschen. In Tirol waren am gestrigen Mittwoch mittags 490 aktiv Infizierte gemeldet, am Mittwoch vor einer Woche waren es noch 551 Personen.

Unterdessen wurden die Teststationen an den bayerischen Autobahnen in Grenznähe eingestellt, weil der Anteil der Reiserückkehrer an den bekannten Neuinfektionen in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen sei, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) gestern mitteilte. Die Laborkapazitäten sollen deshalb nun anderweitig genutzt werden.

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