Füssen – Es war ein Fest, das er sich so sehr gewünscht hatte. Deshalb hat Schlagerkönig Ralph Siegel auch alles in Bewegung gesetzt, um feiern zu können – trotz Corona und strenger Regeln. Als „Sonder- bzw. Ehrenveranstaltung“ ist das Fest genehmigt worden – mit Auflagen: Fiebermessen am Eingang, Maskenpflicht in den Gängen, große Abstände zwischen den zwanzig Tischen, Gesangseinlagen mit meterweitem Abstand.
Reichlich Personal überwachte die Einhaltung der Regeln, auch dann, als Jürgen Drews mal kurz Roberto Blanco am Tisch begrüßt und ihn ein wenig zu herzhaft umarmt und knutscht. Solche Szenen bleiben an diesem Abend nicht aus. Gekommen sind, trotz Bedenken, die meisten der Geladenen, weil sie Siegel nicht nur schätzen, sondern ihn bewundern. Seine Lebensleistung als einer der erfolgreichsten Schlagerkomponisten und Produzenten – mit mehr als 2000 Liedern; seine Kreativität, seine Energie, mit der er es eben auch schafft, dass in solchen Zeiten die Menschen mit ihm bedingungslos feiern.
„Ich komme immer zu seinen Festen, egal wo, und wenn es in Timbuktu ist“, sagt Nicole, die 1982 mit Siegel den Grand Prix gewann. Ihr Geschenk: ein Auftritt mit dem neuen Song „Mehr als ein bisschen Frieden“. Genau so hat Siegel auch seine überarbeitete Biografie überschrieben, die jeder beim Abschied in der überdimensionalen Geschenktüte bekommt. Eine Tüte voller Emotionen.
„Ich weine mal wieder“, sagt er und wischt sich die Tränen aus den Augen bei seiner kurzen Dankesrede, die er mit einer Liebeserklärung an seine vierte Ehefrau Laura schließt: „Du bist das Größte für mich!“ Das Reden, den großen Auftritt, überlässt er den anderen, den Künstlern wie Wolfgang Krebs, der mal wieder den Stoiber und den Söder macht und sagt: „Wo andere Fliesen an der Wand haben, hängen bei Ralph Goldene Schallplatten.“ Oder Carolin Reiber, die ganz eindringlich an Siegels Gesundheit appelliert („Lass die Zigaretten und den Mai Tai weg!“). Berührend der Auftritt von Corinna May, mit der Siegel einst in Tallinn beim Grand Prix scheiterte. Auch Niederlagen gehören zu Siegels Leben, das er an diesem Abend in einer kleinen Fotoshow Revue passieren lässt. „Ich bewundere Ralph sehr“, betont Michael Holm, der ihn seit den 1960er-Jahren kennt. „Er ist für mich der letzte lebende Schlagerkönig.“
Seine Freunde kennen Siegel vor allem als Workaholic: „Wenn er einen Traum hat, geht er auch nachts ins Studio, so lange, bis er ihn perfekt umgesetzt hat“, weiß Franz „Bulle“ Roth. Und Thomas Stein nennt Siegels Arbeitsweise „akribisch“. Sein Privatleben habe oft darunter gelitten, deshalb, so Stein, „wünsche ich ihm, dass er sein Lebensglück noch voll genießen kann.“ Von seinen drei Ex-Frauen findet nur eine den Weg nach Füssen: Dunja Siegel. „Wir sind immer noch sehr eng verbunden.“
Siegels Ehrgeiz und Leidenschaft sind legendär. Deshalb zeigt er seinen Gästen auch Szenen aus seinem neuesten und für ihn aktuell wichtigsten Werk: das Zeppelin-Musical, das im nächsten Sommer endlich über die Bühne in Füssen gehen soll. Siegels größter Wunsch: „Ich will noch die Weltpremiere meines Musicals erleben!“ Das dürfte ihm gelingen, denn, so Siegel: „Ich hatte die besten Ärzte und die besten Frauen der Welt.“