München – Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften: so sollen Corona-Infektionen an Schulen verhindert werden. Weil Lüften in vielen Klassenzimmern aber nur schlecht funktioniert und nun die kalte Jahreszeit bevorsteht, hat das Kultusministerium 37 Millionen Euro für Kohlendioxid-Ampeln und Luftfilter bereitgestellt. Sie stammen aus dem 50-Millionen-Topf, aus dem auch Geräte etwa für Krippen und Kitas finanziert werden. Gefördert wird die Beschaffung von CO2-Sensoren für jeden Klassen- und Fachraum sowie von mobilen Luftreinigungsgeräten mit Filterfunktion für Räume, die nicht ausreichend durch gezieltes Fensteröffnen oder durch eine raumlufttechnische Anlage gelüftet werden können.
Lehrerverbände hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass viele Räume nicht oder nur sehr schlecht zu belüften seien. Im Freistaat gibt es rund 86 000 Klassen- und Fachräume sowie Lehrerzimmer in rund 6000 Schulen. Wie hoch der Bedarf an den Geräten ist, kann das Ministerium nicht abschätzen, geht aber davon aus, dass in den allermeisten Räumen Lüften grundsätzlich möglich ist. Es obliege den Schulaufwandsträgern – also in der Regel den Landkreisen und Städten –, den Bedarf zu ermitteln und die Geräte zu besorgen. Bei den Luftfiltern werden dabei bis zu 3500 Euro pro Gerät, bei den Sensoren bis zu 150 Euro übernommen.
Die CO2-Ampeln zeigen an, wie viel Kohlendioxid in der Luft eines Raumes ist. Das kann zum rechtzeitigen Lüften mahnen. Wenn viel ausgeatmetes CO2 in der Luft ist, dann sind auch viele Aerosole in der Luft, über die eine Ansteckung erfolgen kann. Luftfilter hingegen saugen die Luft an und zerstören die Viren. Ihr Nutzen ist umstritten.
Das Förderprogramm sei nicht ausreichend, befürchtet Matthias Fischbach, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion: „Eigentlich ist mindestens die fünffache Summe nötig!“
Derzeit sind in Bayern knapp 12 700 Schüler und Lehrer in Quarantäne. 400 Schüler und knapp 40 Lehrer wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am Sonntagabend bei einem Digitalparteitag der JU Oberbayern, er habe mehr Schulschließungen befürchtet. Für Bayern kündigte er an, die Digitalisierung der Schulen zu beschleunigen. Rund 400 000 Tablets für Schüler und Lehrer würden mittelfristig gekauft. lby/cd