Innsbruck – Die Olympischen Winterspiele von 1976 prägte auch eine Szene: Wie Rosi Mittermaier sich in der Axamer Lizum mit kraftvollen Stockeinsätzen in die Abfahrt warf und mit der Goldmedaille belohnte. Das Skigebiet in den Stubaier Alpen, das sich auch „Weißes Dachl Innsbrucks“ nennt, wurde in der Folge ausgebaut – doch es steht nun in der Corona-Pandemie vor schweren Zeiten: Drei Tiroler Gemeinden, Mitaktionäre des Skigebiets, wurden vom Hauptaktionär darüber informiert, dass er einen Antrag für den Winter zur „temporären Befreiung von der Betriebspflicht“ bei der Tiroler Landesregierung gestellt hat. Das berichtet die Tiroler Tageszeitung. Für die Gemeinden ist es ein Schock.
Axams Bürgermeister Christian Abenthung sagt: „Sollte eine temporäre Schließung tatsächlich erfolgen, ist das für viele Tourismusbetriebe in unserer Region existenzgefährdend. Es bedeutet, dass eine Wintersaison 2020/21 bei uns nicht stattfinden wird.“ Der Geschäftsführung der Axamer Lizum Aufschließungs AG begründet die Entscheidung in einem Schreiben an das ORF Tirol: „Die Betriebspflicht stellt im anstehenden Winter für unser Unternehmen ein untragbares wirtschaftliches Risiko dar. Daher ist es unsere Pflicht, hier allen Eventualitäten vorzubeugen und es uns als Unternehmen zu ermöglichen, aktiv auf die Lage reagieren zu können.“ Es gehe nicht darum, das Skigebiet von Anfang an geschlossen zu halten, sondern im Laufe der Saison über eine Schließung entscheiden zu dürfen.
Für Axams Bürgermeister Abenthung ist dies nicht nachvollziehbar, weil vorwiegend Einheimische hier sporteln. Er hat aus Sorge für heute zur Krisensitzung geladen. Der ÖVP-Politiker und Seilbahnsprecher Franz Hörl, der am Anfang der Corona-Krise wegen des Hotspots Ischgl schwer in Kritik stand, wundert das Vorgehen des Hauptaktionärs nicht. „Die Stimmung ist am Boden“, sagte er der Tiroler Tageszeitung. „Nicht nur Seilbahner stellen sich die Sinnfrage.“ Auch Hoteliers denken darüber nach, im Winter gar nicht aufzusperren. „Es brennt der Hut, es muss was passieren.“
Durchatmen können derweil die Bürger im Tiroler Kleinwalsertal und der Gemeinde Jungholz. Denn die beiden österreichischen Exklaven, die nur von Bayern aus erreichbar sind, zählen nicht mehr als Corona-Risikogebiete, wie das Robert-Koch-Institut am Freitag mitteilte. Für den Rest der österreichischen Bundesländer Vorarlberg und Tirol gelten aber weiter die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Die beiden Exklaven meldeten in den vergangenen Tagen keine einzige neue Corona-Infektion. Eine Online-Petition mit mehr als 10 500 Unterstützern hatte deshalb Ausnahmeregeln gefordert, der Bürgermeister von Mittelberg im Kleinwalsertal vor einem „wirtschaftlichen Totalschaden“ gewarnt.