Im Bann der Familie Trapp

von Redaktion

SCHRIFTSTÜCKE UND IHRE GESCHICHTEN Christl Zaschkes ganz besondere Brieffreundschaft

Grafing – Christl Zaschke war noch ein junges Mädchen, als sie durch Zufall ein Buch in die Hände bekam. „Es handelte sich um die wahre Geschichte des Barons Georg von Trapp, der sich nach dem frühen Tod seiner Frau mit seinen sieben Kindern in Salzburg niedergelassen hatte“, erzählt sie. Zaschke las fasziniert, wie er Maria Auguste Kutschera als Hauslehrerin engagierte, wie die beiden heirateten und drei weitere Kinder bekamen. 1938 ging Trapp mit seiner Familie aus politischen Gründen nach Amerika ins Exil. „In Salzburg hatte die Baronin aus finanzieller Not einen Familienchor gegründet, der in Amerika großen Erfolg hatte“, erzählt Zaschke. „Die Trapps tourten durch die USA und die halbe Welt.“ Diese Familiengeschichte hat Christl Zaschke ihr Leben lang nicht mehr losgelassen.

Vor etwa 20 Jahren wurde diese Geschichte durch einen Zufall wieder ganz aktuell. Zaschke hatte Besuch von einer amerikanischen Freundin. Die wollte mit ihr in Salzburg die „Sound of Music“-Tour ansehen. Als Zaschke recherchierte, was es damit auf sich hatte, erfuhr sie, dass es sich um die amerikanische Version der Trapp-Geschichte handelt, die 1965 mit Julie Andrews verfilmt wurde. Mit ihrer Freundin nahm sie an der mehrstündigen Bustour zu den Original-Filmschauplätzen teil – und steckte die Amerikanerin mit ihrer Trapp-Begeisterung an. „Wir beschlossen, im nächsten Jahr Ferien in Vermont zu machen, um herauszufinden, wie es mit der Familie in den USA weitergegangen war.“

In Vermont betreibt die Trapp-Familie ein Hotel in einem kleinen Wintersportort. Zaschke wusste, dass Elisabeth, eine Enkelin des Barons, dort als Dirndlschneiderin arbeitete. „Natürlich habe ich ihr einen Rock abgekauft“, erzählt sie. Die beiden kamen ins Gespräch, Christl Zaschke berichtete von ihrer Begeisterung für die Geschichte der Trapps. „Sie warso gerührt, dass ich extra aus Bayern angereist war, das sie ihre Eltern anrief.“ Und dann machte Elisabeth Christl Zaschke mit ihrer Tante Maria-Franziska bekannt. Sie war nach dem Ende ihrer Musik-Karriere mehrere Jahre in Neuguinea als Missionarin tätig gewesen, bevor sie sich in Vermont niederließ. Christl Zaschke und sie verstanden sich auf Anhieb. „Das Treffen war so aufregend – und gleichzeitig so herzlich“, erinnert sich die 80-Jährige aus Grafing (Kreis Ebersberg). Und der Kontakt brach nicht ab. Die beiden Frauen blieben knapp 20 Jahre lang mit Briefen in Kontakt.

Die Briefe, die Zaschke von ihr bekommen hat, hütet sie bis heute wie einen Schatz. „Ich schaue sie immer wieder einmal durch“, erzählt sie. Einmal hatte die alte Dame ihr einen Linolschnitt ihrer Schwester Agathe beigelegt, der auf einer Tournee entstanden war. „Ich bin begeistert von dem Schnitt und hoffe, er gefällt Ihnen auch“, schrieb sie. „Hoffentlich haben Sie ein schönes, gesegnetes Weihnachten gehabt und jetzt wünsche ich Ihnen ein friedliches und gesegnetes 2001. Ich hätte nie gedacht, dass ich die Jahrtausendwende erleben würde.“

Maria-Franziska Trapp erlebte noch viele weitere Jahreswechsel. Und sie schrieb noch viele weitere Briefe an Christl Zaschke. Die alte Dame starb im Jahr 2014, kurz vor ihrem 100. Geburtstag. „Ich habe viele schöne Erinnerungen an sie und ihre Familie“, sagt die Grafingerin. Sie ist sehr dankbar, dass sie den Mut hatte Elisabeth Trapp damals anzusprechen. Mit ihr ist sie bis heute in Verbindung. „Aus unserer ersten Begegnung vor mehr als 20 Jahren hat sich eine herzliche Freundschaft entwickelt.“

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