München – Schulstart misslungen – oder mit Bravour gemeistert? Das ist wohl Ansichtssache. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) spricht im Vorfeld einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch von „Notbetrieb“ und „gravierenden Lehrermangel“. Zudem rumort es unter den Personalräten, die mit etlichen Corona-Regeln unzufrieden sind (wir berichteten).
Kultusminister Michael Piazolo (FW) sieht das naturgemäß anders. „Es gab noch nie so viele Lehrer wie heute“, sagte er bei einem Pressegespräch. 91 945 Stellen sind es, verteilt auf geschätzt 150 000 Lehrer, weil viele Pädagogen nur Teilzeit arbeiten. Auch den Ausdruck „Notbetrieb“ wies er zurück. 99,5 Prozent der Schüler seien im Präsenzunterricht an den Schulen. Nur rund 10 000 Schüler – die Zahlen schwanken täglich leicht – sind in Quarantäne, ebenso wie insgesamt drei Prozent der Lehrer (gut die Hälfte davon wegen Schwangerschaft). Freilich sei es auch kein Normalbetrieb, denn viele Selbstverständlichkeiten von früher wie etwa Gruppenarbeiten könnten wegen Corona derzeit nicht stattfinden. Schließlich kritisierte Piazolo auch den Ausdruck „politische Show“, die ihm BLLV-Chef Simone Fleischmann vorgehalten hatte. „Das weise ich entschieden zurück“, sein Haus sei „einer Show völlig unverdächtig“.
Piazolo sieht die Schulen auch gut gewappnet, falls die Infektionszahlen hinaufschnellen sollten. Mit dem Programm Mebis und Videokonferenzen seien die Lehrer mittlerweile geübt. Über 91 000 Lehrer hätten an Online-Selbstlernkursen teilgenommen, 21 000 davon sogar während der Sommerferien. Das sei doch „ein Zeichen für die hohe Bereitschaft, sich weiterzubilden“.
Außerdem gibt es jetzt täglich von 15 bis 18 Uhr sogenannte e-sessions, einstündige Unterrichtseinheiten für die Lehrer. Eines der Themen gestern: Interaktive Aufgabenübungen in Mebis.
Kritik an der mangelhaften Digitalisierung will Piazolo auch mit einer raschen Freigabe von Dienstlaptops begegnen. 25 000 „Lehrerdienstgeräte“, so der Bürokraten-Ausdruck, sind schon ausgeteilt. Das Geld für weitere 20 000 wird den Kommunen als Sachaufwandsträger der Schulen zur Verfügung gestellt, 80 000 weitere Geräte sind vom Bund zugesagt. „Auf absehbare Zeit“ also werde jeder Lehrer einen Dienstlaptop haben.
Den dehnbaren Begriff benutzte Piazolo bewusst. Denn in der Regel müssen die Kommunen, also Landkreise und kreisfreie Städte, den Kauf der Geräte europaweit ausschreiben. Und das könnte dauern. DIRK WALTER