Protest gegen Unterricht daheim

von Redaktion

München – Vergangene Woche hatte Kultusminister Michael Piazolo (FW) noch angekündigt, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten. Doch in den vergangenen Tagen sind die 7-Tage-Inzidenz-Werte in vielen oberbayerischen Landkreisen über die kritische 50er-Marke gestiegen (siehe Grafik). Und das hat auch den Wochenstart an den Schulen ordentlich durcheinandergebracht: Unterrichtsausfälle, geteilte Klassen und einige Schüler, die wegen der verschärften Corona-Maßnahmen zu Hause bleiben mussten – nicht nur im Hotspot Berchtesgadener Land, wo gestern die Schließung sämtlicher Schulen angekündigt wurde.

Besonders im Landkreis Fürstenfeldbruck ist der Ärger groß, weil dort teilweise wieder Distanzunterricht eingeführt wurde. Etliche Eltern fühlten sich von dieser Maßnahme überrollt. Sie schrieben Briefe an Ministerpräsident Markus Söder oder ans Kultusministerium und forderten, diese Maßnahme rückgängig zu machen. „Viele Eltern halten dieses Vorgehen für puren Aktionismus auf Kosten von Kindern und Eltern“, sagt die zweifache Mutter Lisanne Sauerwald aus Maisach. Die Eltern seien am Freitag „überfallartig“ informiert worden. Kritisiert wird auch, dass es keine Notfallbetreuung gibt. Viele Eltern könnten die zusätzliche Belastung nicht mehr schultern, sagt eine andere Mutter. Urlaub und Überstunden seien komplett aufgebraucht.

Eine Mutter geht gegen die Allgemeinverfügung des Landratsamtes sogar juristisch vor. Gestern ging beim Verwaltungsgericht München ein Eilantrag ein. Mit einer Entscheidung wird bis Ende der Woche gerechnet. Aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz in Fürstenfeldbruck nun bei 95,45.

Auch in anderen Landkreisen gibt es Ärger wegen den Corona-Regeln. Auf den Vorplatz der Grundschule in Markt Schwaben (Kreis Ebersberg) haben Unbekannte in der Nacht auf Montag mit bunter Kreide gut zwei Dutzend Sprüche geschrieben. „Eltern stehen auf“, steht dort beispielsweise. Oder „Für unsere Kinder“ und „Freiheit“. Ein bunter Protest gegen die gültigen Corona-Regeln. Zudem war an einem Gitterzaun eine Art Gedenkstätte errichtet worden. „Ruhe in Frieden“ hieß es da. Daneben die Buchstaben A, H, A und L, die für Abstand, Hygieneregeln, Alltagsmaske und Lüften stehen. Bei 560 Schülern gebe es immer Eltern, die man mit vernünftigen Argumenten nicht überzeugen könne, sagte die Rektorin Monika Seidel. An der Grundschule sind aktuell wegen eines Corona-Falls etliche Schüler in Quarantäne. Die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Ebersberg lag gestern bei 52,82.

Die Landtags-Grünen äußerten gestern Verständnis für Eltern, die durch Wechselunterricht und Homeschooling an ihre Grenzen kommen. „Wir fordern von Kultusminister Piazolo eine Bildungs-Taskforce, die klare und gut umsetzbare Richtlinien und eine Teststrategie vorgibt“, sagte die bildungspolitische Sprecherin Gabriele Triebel. Da die Gesundheitsämter die Maßnahmen anordnen, werde in jedem Kreis anders entschieden. „Es gibt keine klaren Regeln“, kritisiert sie. tog/jödo

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