So ungefähr 500 Jahre vor Christi Geburt sind die alten Kelten auf den Trichter gekommen, dass am letzten Tag im Oktober die Toten und die Lebenden aufeinandertreffen (kenn ich vom ersten Montag nach der Wiesn). Gut 2480 Jahre später hat der US-amerikanische, darf ich sagen farbige, multioperierte und famose Künstler Michael Jackson dieses Thema in seinem Album „Thriller“ aufgegriffen und damit ungeahnte Kopiervorlagen geliefert, so was nennt man heutzutage sogar Mode. Zu diesen Klamotten gibt es zwar keine „Fashion Week“, aber ein sehr krasses Lumpen-Event, benannt von einem amerikanischen Legastheniker nach der österreichischen Hauptstadt. Das muss jeweils Englisch benannt sein, weil erstens der Ursprung aus dem keltischen Irland kommt, und zweitens die ansonsten sehr friedfertige Kulturgroßmacht USA daraus eben den/das/die/des „Halloween“ gemacht hat. Jetzt laufen also seit zig Jahren diverse Personen auch unserer Gesellschaft in derart runtergerissenen Klamotten zum Monatswechsel November rum, dass mich überhaupt nix mehr wundert. Letztes Jahr, der Oktober ging gerade dahin, begegnete ich einem Menschen, der scheinbar verloren am Straßenrand so rumgestanden ist. Sein Gwand hat ausgeschaut, als hätt er es im Last-Hand-Shop gegen irgendwas Scharfes eingetauscht. Einen Euro wollte ich hingeben, das Gute in mir hatte gerade über den Skeptiker gesiegt. Der „Man in Black“ war nicht beleidigt, aber amüsiert, ich irritiert – es war der 31. Oktober und er hat nur aufs Taxi gewartet. So gesehen hätt ich eher auf ein Vehikel vom Bestattungsdienst getippt. Mir war schon klar, dass ich riskierte, einem Voodoo-Zauber zum Opfer zu fallen, aber ich traute mich zu fragen und durfte erfahren: Er war auf dem Weg zu einer Art Maskenfest. Ein Maskenfest! Wie weit der Mann dem Zeitgeist voraus war, hab ich erst dieses Jahr begriffen! Ein Gothic-Treffen, wie er mich informierte. Elf Tage vor dem offiziellen Faschingsanfang! Es sei mir der fragende Hinweis gestattet: A bisserl damisch is des scho, oder? Oder stehen wir in der Gründerzeit einer jahrhundertelangen Tradition und ich bin bloß zu spießig, um der Besonderheit des Moments mental mächtig zu werden? Heutzutage sieht man ja ganzjährig gezeichnete und perforierte Zeitgenossen, die den 31. Oktober quasi zum permanenten Körper-Event erkoren haben. Auch der „Brauch“ ist importiert und nach etlichen Jahren dann schon a bisserl lästig; Seiende und gewesene Kinder an der Haustür, die nach Süßem und oder Saurem fragen, manchmal auch schon nach einem Bier, und mittlerweile die größere Freude am Klingeln und dann gleich abhauen haben. Ganz anders wie es die Heiligen Drei Könige tun. Da bin ich schon mal gespannt, wie die nach Weihnachten daherkommen. Zu denken geben mir noch die vielen ausgesetzten und dann oft vergessenen ausgehöhlten Kürbisse. Nicht jeder Hohlkopf muss ja zwangsweise in der Bio-Tonne landen. Immerhin, dass dann so was mal zum Leuchten gebracht wird, ist schon erfreulich. Der tiefere Hintergrund verschließt sich mir aber auch weiterhin. Wurde der ehemalige Inhalt verzehrt oder vielleicht als Spachtelmasse für Hirnveganer verwendet? Nun denn, was ich nicht weiß, kann ich auch nicht vergessen.
Habe die Ehre, Manfred Schauer